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Schulgründung – Keine Angst vor Kafka

16-Feb-17

Montag, acht Uhr, der Wecker im Kinderzimmer läutet. Ausgeruht klettert das neunjährige Mädchen aus seinem Bett. Nach dem Frühstück verlässt es ohne Hektik das Haus, mit dem Fahrrad braucht es zehn Minuten zur Schule. Es ist eine kleine Schule, nur 30 Kinder, zwei Klassen. Um halb zehn beginnt der Unterricht in hellen Räumen.

In altersgemischten Kleingruppen erarbeiten Kinder zwischen neun und 15 Jahren mit zwei Begleitern die Lerninhalte des heutigen Vormittags. Einige präsentieren den erlernten Unterrichtsstoff in Form eines kleinen improvisierten Theaterstücks, andere haben einen Kurzfilm gedreht.

Ab 13 Uhr gibt es den Mittagstisch, es wird gegessen, gelacht, geplaudert. Danach geht es in den Garten. Die Nachmittagseinheit dauert bis 17 Uhr, inklusive Hausübung. Ziffernnoten gibt es in dieser Schule nicht.

So oder so ähnlich stellen sich viele Kinder, Eltern und Lehrer die ideale Schule vor: mit individueller Förderung, auf Interessen und Begabungen der Kinder abgestimmt, in wertschätzender Umgebung. Doch so gestaltet sich die Realität in nur wenigen Schulen. Viele verbinden mit Schule eher Stress in der Früh, Notendruck, starre Lehrpläne und Leistungsbeurteilung, kaum Wertschätzung und wenig Individualisierung.

Starres System

Nicht alle wollen sich damit abfinden. Der Pädagoge, sechsfache (Patchwork-)Vater und Lehrer Michael Karjalainen-Dräger zum Beispiel. Er hat lange als Freizeitpädagoge gearbeitet und wechselte als 30-Jähriger an öffentliche Volks- und Hauptschulen in Wien, um dort Lehrer zu sein. Er blieb zehn Jahre. Oder, wie er es formuliert: „Ich habe es zehn Jahre ausgehalten.“

Dann war die Ernüchterung über enge Spielräume und begrenzte Möglichkeiten zu groß. „Es ist nicht lustig, in so einem starren System Lehrer zu sein.“ Also tat er, was sich wenige trauen: Er gründete eine eigene Schule. Eine, die all die Ansprüche erfüllte, die er an kindzentrierte Bildung stellte: kleine, altersgemischte Gruppen, individuelle Förderung, kreativer Unterricht und Beginnzeiten, die die Kinder nicht im Wachkoma mit leerem Magen ins Klassenzimmer wanken lassen.

Einfach war es nicht. Aber Karjalainen war von seiner Idee überzeugt – und konnte andere überzeugen. „Ich habe mich erkundigt, was es braucht, um als Privater eine Schule zu gründen, und wurde bald kafkaesk im Kreis geschickt.“ Nicht nur einmal stand das Projekt auf der Kippe, weil plötzlich neue Auflagen dazukamen. Die Amtswege hat er irgendwann nicht mehr gezählt. „Schnell war das Gefühl da: Gerne sehen es Behörden nicht, wenn Privatpersonen Schulen gründen. Die öffentliche Schule hat Angst, dass ihr die Kinder davonlaufen, und das Imperium schlägt zurück.“

Das sieht man im Bildungsministerium anders: „Wir sehen Privatschulen als positive Ergänzung des österreichischen Schulsystems, nicht zuletzt erhalten sie deshalb auch eine Fördersumme von 4,5 Millionen Euro pro Jahr.“ Allerdings geht dieses Geld vor allem an konfessionelle Privatschulen. Für Schulen ohne Religionsgemeinschaft im Rücken gibt es wenig Unterstützung, sagt Karjalainen. Es gebe nur eine Umwegfinanzierung von 700 Euro pro Schüler und Schuljahr, wenn sich die Privatschule einem Dachverband Freier Schulen anschließt.

Zwei Jahre bis zur Eröffnung

Laut OECD kostet ein Schuljahr pro Kind aber zwischen 8000 und 12.000 Euro. Konfessionelle Privatschulen, die die deutliche Mehrheit der 721 Privatschulen in Österreich stellen, sind im Vorteil: Ihr Lehrpersonal bezahlt zur Gänze der Steuerzahler. „Die Lehrergehälter machen 75 bis 80 Prozent der Kosten aus“, sagt Karjalainen. Nichtkonfessionelle Schulen müssen das selbst berappen.

In seinem Fall hat es ein Jahr gedauert, bis er alle Informationen zur Schulgründung beisammenhatte und wusste, wer auf Behördenseite wofür zuständig ist. Man sollte von der Idee bis zur Eröffnung der Schule zwei Jahre einplanen, sagt er. Bei ihm war es im Herbst 2009 so weit: die „Lernwerkstatt Baden“ für 20 Kinder öffnete ihre Pforten. Die Kinder konnten die gesamte Pflichtschulzeit dort absolvieren, unterrichtet wurde in altersgemischten Klassen mit maximal fünf Kindern pro Gruppe.

Den Vorwurf gegen „elitäre Privatschulen“, in denen Kinder aus „besseren Kreisen“ unter sich blieben, kennt auch er. Und lässt ihn nicht gelten: „Durch eine Schulgründung spart die öffentliche Hand Kosten, die sie nicht weitergibt. Gleichzeitig bekommt man als Gründer den Vorwurf, elitär zu sein.“ Um Kinder aus allen sozialen Schichten in die Privatschule zu bekommen, tritt er für einkommensabhängiges Schulgeld und Patenschaften ein.

Stolpersteine

Apropos Schulgeld: Ohne das lässt sich der laufende Betrieb kaum finanzieren. Sponsoring sei in der nötigen Größenordnung schwierig, Crowdfunding wenig aussichtsreich. „Meiner Erfahrung nach liegt die Schmerzgrenze bei 300 Euro Schulgeld im Monat für ein Halbtagsangebot“, sagt Karjalainen. Ist die Finanzierung geklärt, muss der richtige Raum her: Da hat jedes Bundesland andere Vorgaben – und derer gibt es viele, von der Gangbreite bis zum Fensterglas. Karjalainen rät, die Schulräume vorab behördlich prüfen zu lassen. Sie werden sonst leicht zum Stolperstein.

Gründer müssen sich entscheiden, ob ihre Schule über Öffentlichkeitsrecht verfügen soll oder nicht. Tut sie es, darf sie die Leistungen der Kinder beurteilen und Zeugnisse ausstellen. Die Schüler können dann relativ leicht ins Regelschulsystem wechseln.

Das ist bei Schulen ohne Öffentlichkeitsrecht schwieriger: Deren Schüler sind zum häuslichen Unterricht abgemeldet und müssen am Ende jedes Schuljahres eine Externistenprüfung an einer Regelschule bestehen. Andernfalls dürfen sie nicht länger die Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht besuchen.

Flexible Ferienzeiten

Alle Privatschulen brauchen ein behördlich genehmigtes Statut und einen vom Ministerium abgesegneten Lehrplan. Zeitlich lässt sich in der eigenen Schule vieles flexibel gestalten. So ist etwa nicht vorgegeben, wie lange die Einheiten dauern oder wann Ferien sind. Das Lehrpersonal an Schulen mit Öffentlichkeitsrecht muss mit den Behörden abgestimmt werden: Ihnen ist wichtig, dass es geprüfte Lehrer sind. „Die Gründung einer Privatschule muss natürlich nach einem bestimmten Muster ablaufen“, heißt es aus dem Bildungsministerium. „Um garantieren zu können, dass alle notwendigen Regelungen, die im Privatschulgesetz verankert sind, getroffen wurden.“

Karjalainen ortet bei den Lehrern aber einen Graubereich: Schulleiter müssen zwar immer geprüfte Lehrerinnen oder Lehrer sein, in Schulen ohne Öffentlichkeitsrecht kann aber im Prinzip jeder unterrichten. „Als Schulerhalter könnte ich im Statut etwa festlegen, dass bei mir nur Psychotherapeuten unterrichten sollen.“

Natürlich sei es eine Kränkung fürs Regelschulsystem, wenn Privatschulen wie Pilze aus dem Boden schießen, sagt er. Dabei könne es viel lernen von Schulen, hinter denen engagierte Menschen mit pädagogischen Visionen stehen. Von staatlichem Interesse habe er bisher aber nicht viel bemerkt: „Ich kenne keinen Fall, wo jemand von den Behörden auf uns zugekommen wäre und nachgeschaut hätte, was gut funktioniert.“ 

Original-Quelle:

http://derstandard.at

Niedersachsen: Kopftuchurteil – Lehrerin erhält keinen Schadensersatz

10-Feb-17
Das Verwaltungsgericht Osnabrück hat die Klage einer Lehrerin, die mit Kopftuch unterrichten wollte, auf Entschädigung wegen religiöser Diskriminierung gegen die Niedersächsische Landesschulbehörde abgewiesen. (Aktenzeichen beim VG Osnabrück: 3 A 24/16)

Bei der Klage ging es um einen Fall von 2013: Die Lehrerin hatte zunächst von der Landesschulbehörde eine Einstellungszusage für eine Schule im Raum Osnabrück bekommen. Als bekannt wurde, dass sie in der Schule ein Kopftuch tragen wollte, zog die Behörde ihre Zusage zurück.

Das Gericht erklärte nun, der Anspruch auf Entschädigung sei schon deshalb zu verneinen, weil die Schulbehörde die Frau nicht „wegen ihrer Religion“ benachteiligt habe. Die Behörde habe sich auf eine gesetzliche Grundlage im Landesschulgesetz gestützt, die alle Bewerber gleich behandle und sämtliche religiösen und weltanschaulichen Symbole verbiete. Damit habe die Behörde in Hinblick auf die staatliche Neutralitätspflicht richtig gehandelt.

Die Behörde hatte sich damals auf Paragraf 51 des niedersächsischen Schulgesetzes bezogen. Darin steht, das „äußere Erscheinungsbild“ von Lehrern dürfe, „auch wenn es aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen gewählt wird“, keinen Zweifel daran lassen, dass der Lehrer „den Bildungsauftrag der Schule überzeugend erfüllen kann“. Das interpretierte die Behörde so, dass es eine Anstellung der bekennenden Muslimin ausschloss.

VG Osnabrück: Für das Urteil war auch Rechtslage von 2013 entscheidend

Die klagende Lehrerin, die heute in Nordrhein-Westfalen lebt, hatte Schmerzensgeld nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz gefordert. Sie sah sich von der Schulbehörde durch die Entziehung der bereits zugesagten Stelle diskriminiert.

Dass die Frau erst zwei Jahre später gegen die Entscheidung klagte, liegt an einem richtungsweisenden Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts von 2015: Damals hatten die Richter ein rigides Kopftuchverbot in Nordrhein-Westfalen kritisiert und das Land aufgefordert, es „verfassungskonform einzuschränken“.

Bis zu der Gesetzesänderung 2015 hatte in NRW eine Regelung gegolten, nach der bereits eine „abstrakte Gefahr für Neutralität und Schulfrieden“ für ein Verbot genügte. Die Verfassungsrichter urteilten aber, es sei eine „hinreichend konkrete Gefahr“ erforderlich, die von einem Kopftuch in der Schule ausgehen müsse. Eine Kopftucherlaubnis war die Korrektur nicht. Mehrere Länder mussten daraufhin allerdings ihre Schulgesetze überarbeiten, auch weil sie das Christentum explizit gegenüber anderen Religionen bevorzugt hatten.

Die Verwaltungsrichter in Osnabrück urteilten nun: Selbst wenn die Lehrerin im Osnabrücker Fall von der Schulbehörde wegen ihrer Religion benachteiligt worden wäre, sei in dem Fall die Entscheidung der Schulbehörde gerechtfertigt gewesen. Für die Beurteilung sei retrospektiv die Sach- und Rechtslage von 2013 entscheidend. Zu jenem Zeitpunkt habe sich die Schulbehörde auf die gesetzliche Grundlage des Schulgesetz berufen dürfen, weil damals die ältere Rechtsprechung des Verfassungsgerichts von 2003 maßgeblich war.

Danach sei für ein Kopftuchverbot nur ein hinreichend bestimmtes Gesetz gefordert worden. Die neuere Entscheidung des Verfassungsgerichts von 2015, die für ein Kopftuchverbot zusätzlich eine konkrete Gefahr für die Schutzgüter Schulfrieden und Neutralität verlange, habe es im Jahr 2013 noch nicht gegeben.

Das Urteil aus Osnabrück ist noch nicht rechtskräftig und kann binnen eines Monats nach Zugang der schriftlichen Entscheidungsgründe angefochten werden.

Website:

www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/

Kochen: Sanftes Garen im Kochbeutel – so geht‘s

07-Feb-17

Besonders saftige und aromatische Speisen

Fisch, Fleisch oder Gemüse in einen Kunst­stoff­beutel legen und bei nied­riger Temperatur im Wasser­bad garen: Französische Köche haben diese Technik in den 70er Jahren erfunden und „sous vide“ getauft – über­setzt bedeutet das „unter Vakuum“. Das Ziel: Die Speisen sollen besonders, zart, saftig und aromatisch werden, Vitamine und andere Nähr­stoffe weit­gehend erhalten bleiben. Das Sous-vide-Prinzip fußt auf zwei Faktoren. Erstens können aus dem einge­schweißten Lebens­mittel weder Saft noch Aromen entweichen. Zweitens sorgen nied­rige Temperaturen zwischen 50 und etwa 90 Grad Celsius dafür, dass Garprozesse lang­sam verlaufen. Dabei ziehen sich beispiels­weise die Fleisch­fasern weniger zusammen als bei großer Hitze. Sie halten so mehr Saft im Fleisch. Außerdem bleibt der rote Fleisch­farb­stoff Myoglobin bei nied­rigeren Temperaturen erhalten, bei höheren Temperaturen verändert er sich zu graubräunlichem Metmyoglobin.

Tech­nisch aufwendig

Bei der Sous-vide-Küche kommen Technikfreaks auf ihre Kosten. Sie müssen die richtige Temperatur austüfteln und brauchen spezielle Hilfs­mittel und Geräte. Dazu gehören hitze­beständige Kochbeutel, ein Vakuu­miergerät und ein Wasser­bad. Manche Hersteller werben ausdrück­lich damit, dass sich ihre Kunst­stoff­beutel fürs Garen bei nied­rigen Temperaturen eignen. Für das Wasser­bad empfiehlt sich ein großer Topf plus Braten­thermo­meter. Mit Küchen­maschinen mit Koch­funk­tion oder speziellen Sous-vide-Garern lassen sich die Temperaturen noch exakter einstellen.

Sous-vide-Garen – eine kleine Anleitung

Einpacken. Waschen und würzen Sie das Gargut. Legen Sie es in einen Kochbeutel. Wer möchte, kann noch Kräuter, angedüns­tete Zwiebeln, Knoblauch oder Marinaden dazu geben. Befüllen Sie den Beutel so, dass zur Öffnung hin noch eine Hand­breit Platz ist. Dort kommt später die Schweiß­naht oder ein Verschluss hin.

Luft rauslassen und verschweißen. Ein Vakuu­miergerät erledigt diese Arbeits­schritte am unkompliziertesten und zuver­lässigsten. Es zieht die Luft in Sekunden aus dem Beutel und verschweißt ihn danach. Wer so ein Gerät nicht besitzt, kann sich mit einem Trinkhalm behelfen: Legen Sie ihn so zum Gargut im Beutel, dass das Ende aus der Beutel­öffnung schaut. Streichen Sie die Luft mit der Hand aus dem Beutel, fassen Sie die offene Seite mit der Hand zusammen. Saugen Sie solange am Trinkhalm, bis keine Luft mehr im Beutel fest­stell­bar ist. Ziehen Sie den Trinkhalm heraus. Verschließen Sie den Beutel so dicht wie möglich mit einem Clip.

Auf ausreichend Flüssig­keit achten. Beim Sous-vide-Garen müssen die Beutel im Topf oder Garer voll­ständig mit Wasser bedeckt sein. Mehrere Beutel in einem Topf sollten genug Platz haben, damit das Wasser zirkulieren kann.

Für passende Gartemperatur sorgen. Erhitzen Sie das Wasser und kontrollieren Sie mit dem Thermo­meter, wann die richtige Temperatur erreicht ist. Grund­sätzlich liegen die Temperatur­bereiche beim Sous-vide-Garen unter 100 Grad Celsius – die optimale Temperatur hängt vom jeweiligen Lebens­mittel ab. Für Fisch reicht sie etwa bis 65 Grad; für Rind bis 75 Grad; für Schwein, Geflügel und Wild bis 90 Grad. Fisch und Fleisch können wegen ihres hohen Eiweiß­gehalts bei nied­rigeren Temperaturen garen als Gemüse und Hülsenfrüchte. Pflanzliche Lebens­mittel sind reich an Zellulose, die erst bei höheren Temperaturen weich wird. Temperatur­empfehlungen für unterschiedlichen Lebens­mittel finden Sie auch in unserem Bestseller Kochen für Angeber.

Gar ziehen lassen. Die Garzeiten variieren je nach Gewicht des Garguts und Rezept – so gart zum Beispiel ein Kabeljau in 20 Minuten, ein Rump­steak in 50 Minuten und Möhren in einer Stunde. Laut Experten über­gart das Gargut nicht, wenn es etwas länger als empfohlen im heißen Wasser zieht.

Auspacken für Direkt­verzehr. Holen Sie den Beutel mit einer Zange aus dem Wasser, lassen Sie ihn abtropfen, legen Sie ihn auf einen Teller. Schneiden Sie den Beutel mit der Schere auf und heben Sie die gegarte Speise vorsichtig heraus. Sie kann direkt serviert werden.

Fleisch nach­braten. Sous-vide-Fleisch hat keine Kruste und keine Röstaromen. Wer nicht darauf verzichten möchte, kann es kurz in der Pfanne anbraten – aber nicht zu lang, sonst geht der Sous-vide-Effekt verloren.

Auf Vorrat kochen. Sie können die Gerichte auch vorkochen und einige Tage im Beutel lagern. Dazu die Beutel nach dem Kochen rasch in eiskaltem Wasser abkühlen, dann in den Kühl­schrank legen. Schneiden Sie die Beutel dann kurz vor dem Servieren auf und erhitzen Sie das Gericht. Diese Art des Vorkochens nutzen etwa auch Caterer – sie nennen es „Cook and Chill“ (über­setzt: „kochen und abkühlen“).

Auf Keime achten

Das Sous-vide-Garen bei Temperaturen unter 70 Grad tötet nicht alle kritischen Keime und Krank­heits­erreger sicher ab, die vor allem in tierischen Lebens­mitteln vorkommen können. Fleisch von Wild, Schweinen und Geflügel sollten auch in der Sous-vide-Küche immer auf 90 Grad erhitzt werden. Bei Rind­fleisch und Fisch sind nied­rigere Temperaturen vertret­bar – sofern die Ware frisch ist und einen guten Eindruck macht. Grund­sätzlich sollten Menschen mit geschwächtem Immun­system sowie alte Menschen und kleine Kinder Fleisch und Fisch nur durch­gegart essen – das heißt: mindestens zwei Minuten im Kern auf 70 Grad Celsius durch­erhitzt.

Link zum Artikel:

www.test.de/Kochen-Sanftes-Garen-im-Kochbeutel-so-gehts-5118172-0/

Stimmungsbild – Jobsuche mit Uniabschluss: User und ihre Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt

20-Jan-17

Ein Studium allein ist kein Garant für einen Job. In den Foren von derStandard.at berichten User von ihren persönlichen Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt – 1 Foto

Die Arbeitssuche für Akademiker ist schwierig, zeigen die jüngsten Zahlen des Sozialministeriums. Akademiker in der Community von derStandard.at berichten im Forum von ihren Erfahrungen.

Viele User sehen eine Veränderung des Arbeitsmarktes: Ein Studium allein ist schon länger kein Garant mehr für einen Job, sondern eine Voraussetzung neben anderen Qualifikationen, etwa zusätzlichen Auslandserfahrungen, absolvierten Praktika und Sprachkenntnissen:

Das betrifft auch Berufseinsteiger mit naturwissenschaftlichem Hintergrund:

Dennoch gibt es Positives zu vermelden. Etwa dass man auch mit einem geisteswissenschaftlichen Studium reüssieren kann:

Andere User berichten, dass in ihrem Umfeld Akademiker recht rasch berufstätig waren – mit entsprechendem Networking:

Allgemein werden verschiedene Probleme angesprochen:

Und zum Abschluss noch zum Thema „marktfähige“ Studienrichtungen:

Welche Erfahrungen haben Sie auf dem Arbeitsmarkt gemacht? Welche Postings entsprechen Ihrer Situation, welche haben Sie eher überrascht?

Original-Artikel:

text.derstandard.at/2000050473135/Jobsuche-mit-Uniabschluss-User-und-ihre-Erfahrungen-auf-dem-Arbeitsmarkt

Das Modulhaus: Die Antwort auf neue gesellschaftliche Anforderungen an die Baubranche

20-Jan-17

von Mario Wilkens

Sprechen Bauherren von dem vielzitierten „Traum vom Eigenheim“ haben die meisten wohl ein klassisches Bild vom Einfamilienhaus mit Vorgarten und Gartenzwerg vor Augen. Doch mittlerweile lässt sich ein neuer Trend in der Immobilienbranche ausmachen. Das „Downsizing“, was auf Deutsch so viel heiß wie Gesundschrumpfen, wird immer öfter auch auf Immobilien angewandt. In welchen Wohnkonzepten sich das Gesundschrumpfen äußert und warum die Bewegung immer mehr Anhänger findet.

Andere Lebensbereiche machen es vor: Möbelhersteller wie IKEA bringen stark reduzierte Minimalismus-Produktlinien auf den Markt und in unseren Supermarktregalen finden wir immer mehr Lebensmittel mit dem Etikett „Light“ oder „Zero“. Das Eigenheim Zero gibt es als Containerhaus, Mobilheim oder modulares Raumsystem. Diese alternativen Wohnkonzepte haben gemeinsam, dass sie in der Regel über kein festes Fundament verfügen, also bei Bedarf mit umziehen können. Außerdem sind sie deutlich kleiner als herkömmliche Häuser. Doch warum entscheiden sich Hausbesitzer bewusst für das Wohnen im Kleinhaus? Einer der wesentlichen Aspekte des Wohnens im Minihaus ist für viele Eigenheimbesitzer wohl der der Nachhaltigkeit. Jeder Quadratmeter verbraucht zusätzlich Energie durch Strom- und Heizkosten. Eine Zeit des Klimawandels und der immer knapper werdenden fossilen Ressourcen erfordert neue Konzepte eines ökologischen Wohnens. Des Weiteren bestehen viele Modulhäuser überwiegend aus nachhaltigen Baustoffen wie Holz. Containerhäuser beispielsweise bestehen aus ausrangierten Schiffscontainern, wodurch keine zusätzliche Umweltbelastung entsteht.

Kosten- und Zeitersparnis

Je höher die Quadratmeterzahl, desto höher die laufenden Kosten. Gerade in Großstädten, in denen die Preise in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind, ist bezahlbare Wohnfläche gefragt. Doch das Einsparen von Wohnfläche kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Der zusätzliche Wohnraum muss geputzt und instandgehalten werden. Wer sich auf das Wesentliche beschränkt, spart nicht nur Geld, sondern hat auch mehr Freizeit.

Sich wandelnde Lebenskonzepte

Lebensläufe waren die letzten Jahrhunderte determiniert. Man erlernte einen Beruf, heiratete und gründete eine Familie. Heute leben wir in einer multiplen Gesellschaft mit vielen verschiedenen Lebensentwürfen. So entscheiden sich heute viele Menschen bewusst dazu, ohne festen Partner zu bleiben. Hinzu kommt, dass die Anzahl an Senioren kontinuierlich steigt. Der wachsende Senioren- und Singleanteil führt zu einer wachsenden Nachfrage für kleinflächige Wohnräume. Hier bieten Mobilheime, Containerhäuser & Co. die perfekte Antwort.

Weniger Investitionsrisiko bei mobilen Kleinhäusern

Fragt man Makler nach dem wertbestimmenden Faktor einer Immobilie, so werden viele gemäß einer Weisheit aus Branche antworten: „Lage, Lage und nochmals Lage“. Der Preis eines Hauses bemisst sich zu einem erheblichen Teil durch das Grundstück, auf dem es gebaut ist. Sinkt der Grundstückswert beispielsweise durch den Bau eines Flughafens in der Nachbarschaft, sinkt auch der Wert des gesamten Hauses, auch wenn es noch so gut in Schuss ist. Es kommt zu einem massiven Kapitalverlust für den Eigentümer. Nicht so bei Mobilheimen. Zwar kann auch hier der Grund und Boden, auf dem sie stehen, an Wert verlieren. Das Haus jedoch bleibt davon unberührt, da es ganz einfach woanders wiederaufgebaut werden kann.

Fakt ist: Sich wandelnde Umstände wie der Klimawandel und Ressourcenknappheit erfordern neue Ansprüche an modernes Wohnen. Ob modulare Systeme wie Modulhäuser, Mobilheime oder Containerhäuser sich hier als neuer Standard etablieren, bleibt abzuwarten. Wer sich für das Thema interessiert, der findet auf Modulheim.de weitere Informationen.

zum Artikel:

www.haus-selber-bauen.com/das-modulhaus-die-antwort-auf-neue-gesellschaftliche-anforderungen-an-die-baubranche.html

Social Networks – Angst vor Shitstorms führt zu leichteren Prüfungen

05-Nov-16

Britischer Experte beklagt „Verzerrung“ des Systems durch Beschwerden auf Facebook und Co. – 1 Foto

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind im digitalen Zeitalter ein wichtiges Werkzeug der Meinungsbildung geworden. Gerade die Debatte um Hasspostings und das politische Klima hat die Rolle der Plattformen in den vergangenen Jahren zu einem Diskussionsthema gemacht.

Ihr Einfluss ist auch im Bildungsalltag spürbar. Robert Coe, ein Forscher der britischen Durham University beklagt nun, dass Lehrer aus Angst vor einem Beschwerdehagel in sozialen Medien mittlerweile Prüfungen immer leichter gestalten würden. Coe leitet Zentrum für Evaluation und Beobachtung an der Durham University und berät das Office of Qualifications and Examinations Regulations (Ofqual) der britischen Regierung.

Schnell Beschwerden bei „innovativen“ Fragen

Es gäbe zu viel Fokus auf „Zugänglichkeit“ und zu wenig auf „hohe Erwartungen“ und „Herausforderungen“, wird er auf TES zitiert. Das „voraussagbare Wiederkäuen“ werde in Prüfungen belohnt, was zu einer Verzerrung der Leistungsbewertung führe. Fordernde Prüfungsbögen mit „innovativen“ oder „unerwarteten“ Fragen, könne man sich darauf einstellen, dass die ersten Schüler schon wenige Minuten nach dem Test auf Facebook oder Twitter ihrem Ärger Luft machen.

Als Folge würden viele Aufgaben nur noch das Erkennen bereits bekannter Fragemuster verlangen. Erschwerend komme hinzu, dass die Erstellung vorhersagbarer Aufgaben den verantwortlichen Prüfungskommissionen die Arbeit leichter machen würde. Man müsse die Zugänglichkeit wahren, dürfe aber nicht davon abgehen, „hohe Erwartungen“ an die Schüler zu stellen und ihnen Herausforderungen zu liefern, fordert Coe.

Seitens des Joint Council for Qualifications, das die sieben größten Prüfungskommissionen Großbritanniens repräsentiert, sieht man die Situation anders. Es gäbe keine Angst davor, innovative Fragen zu entwickeln, heißt es dort. 

Erstmalig veröffentlicht auf: 

text.derstandard.at/2000046547346-3297

Junges Gemüse

23-Okt-16

Erstaunlich, wie befreiend das ist: Gurken, Essig, Wasser, Zucker, Gewürze. So steht es auf den Einweckgläsern im Supermarkt als Inhaltsangabe. Aber man kann es auch als Rezept begreifen, denn mehr gehört wirklich nicht dazu. Und schon ist man ihn los, den Supermarkt. „Selber“, hat Sophia immer gesagt, und gemeint hat sie „Ich will das selber machen, alleine, ohne Hilfe“. Weil Hilfe abhängig macht. Alles, was man nicht selber machen kann, macht abhängig. Werden Kinder in Zukunft programmieren können müssen? Wahrscheinlich, weil sie sonst zu Gefangenen von Unternehmen werden, die machen, was sie wollen, ohne dass wir als Kunden kontrollieren können, ob das gut ist oder schlecht. Und müssen Kinder saure Gurken einlegen? Unbedingt! Aus denselben Gründen. Befreiung!

Das Prinzip ist uralt und einfach: Gemüse werden getrocknet, oder zumindest entwässert, und dann eingelegt: in Säure, Lake oder Öl. Fertig. Manches ist danach ein Jahr oder noch länger haltbar. Es ist lecker. Es sieht wahnsinnig gut aus im Regal und es ist selbst gemacht, was bedeutet, es ist ein gutes Geschenk für Leute, die nicht wissen, wie einfach es ist. Ich habe 20 Sekunden gebraucht, um zu lernen, wie man saure Gurken macht. Und ich bin offensichtlich langsam: Ich brauche nur 15 Sekunden, um es weiterzugeben. Man schneidet Einlegegurken in Scheiben, lässt sie über Nacht in Salz liegen, bringt am nächsten Tag Essig mit Zucker, Senfkörnern und Dill zum Kochen, füllt die abgespülten Gurken in ein steriles Glas, gibt den heißen Essig drauf, Deckel zu, fertig. Und wieder etwas gelernt. Manche nennen es Einwecken. Ich nenne es Selbstermächtigung.

Die befriedigendsten Momente beim Kochen sind normalerweise die Moves und die Magie. Mit dem Messer hacken. Aus dem Handgelenk den Inhalt der Pfanne wenden. Wenn sich im Topf die Konsistenz ändert. Aufgehen, glasig werden, eindicken. Aber das hier hat nichts davon. Alles sieht aus, wie es eben aussieht, absurd unverändert von roh zu eingelegt. Ein Glas mit Mixed Pickles enthält so viel und dabei praktisch nichts, was man nicht sieht – und der wirklich befriedigendste Moment dabei ist, wenn man Gläser mit diesen zweiteiligen Blechdeckeln benutzt, die sich einwölben, wenn der Inhalt kälter wird und die Luft sich zusammenzieht, so dass ein Unterdruck im Glas entsteht. Es ist ein Knacken. Wunderschön, weil es zeigt, dass alles funktioniert hat. Ein Signal, dass die Arbeit getan ist. Knack! Wie eine Fanfare. Das Glas ist sicher. Mehr noch, die Pickles sind sicher, und sie halten sich ewig, das heißt: Die Zukunft ist gesichert. Knack.

Sophia mag nichts Saures, so wie die meisten Kinder, aber sie mag schneiden. „Ich mach das selber! Alleine!“ Sie schichtet auch gerne in Gläser, wobei man aufpassen muss, dass die Gläser erstens steril sind und dass man deshalb nicht hineinfasst, und dass „steril“ zweitens auch heißt, dass man sich daran verbrühen kann. Messer, Hitze, Dampf und Naschen – Sophia und ich lieben dieselben Dinge in der Küche. Aber ich mag auch noch Saures.

Drei unterschiedliche Arten probieren wir aus: sauer einlegen, sauer einkochen und in Öl einlegen. Es geht natürlich noch viel mehr: einlegen in Salzlake zum Beispiel, aber man muss sich entscheiden. Außerdem sind Sophia und ich nur so halbgut zum echten Haltbarmachen zu gebrauchen, weil wir uns zu schnell langweilen. Eigentlich ist das Einwecken natürlich so gedacht, dass man dann, wenn die Gurken reif sind, die überschüssigen einweckt, damit man im Winter noch etwas davon hat. Gurken, Gurken, Gurken, bis alles weg ist. Kistenweise. Aber wir wecken lieber zehn verschiedene Sachen ein, was nicht besonders ökonomisch ist. In den Rezeptbüchern, die ich gewälzt habe, beziehen sich die Angaben meistens auf Mengen bis zu zweieinhalb Volumenliter, also zum Beispiel für fünf Pfundgläser Eingewecktes. Das ist natürlich nicht Fisch und nicht Fleisch, aber immerhin realistisch. Wir machen keine echte Lagerhaltung im Keller, und in der Wohnung haben wir gar nicht genug Platz für 50 Gläser von irgendwas. Allerdings sagt meine Erfahrung, dass es bei keinem Rezept, das ich probiert habe, mit den Mengen am Ende so hinkommt, wie es da steht. Ich würde deshalb in jedem Fall immer ein paar kleinere Weckgläser besorgen, um die übrig bleibenden Restmengen unterzubringen. Oder man hat halb volle Gläser, was allerdings auch nicht wirklich schlimm ist. Kochen ist zumindest für mich oft der einzige Moment am Tag, an dem ich Natur in der Hand habe. Alles andere, was ich anfasse, ist von Menschen gemacht. Das macht es für mich doppelt schön. Ich schnippel gerne große Mengen Zeug weg.

Ich habe Kochen erst spät gelernt, als ich Student war und mein Geld als Aushilfe in einer Restaurantküche verdient habe, und so schneide ich auch: schnell und rücksichtslos – Paprika quer, das heißt, ich schneide unten einen Deckel ab und so viele Ringe, bis ich fast die Plazenta mit den Samen streife, und dann drücke ich den Strunk mit allem von oben durch den offenen Boden heraus. So geht es schneller. Ich schäle Zwiebeln großzügig, weil sie billig sind, billiger jedenfalls als die Zeit die es braucht, vorsichtig die äußerste Haut abzuziehen. Zack, zack. Und ich schneide Maiskörner einfach mit einem kleinen Messer vom rohen Kolben herunter, weil ich keine andere Art des Auslösens gefunden habe, die zu meinem Rhythmus passen würde.

Heute, zu Hause, ist Kochen mehr Meditation als alles andere, und so behandle ich es. In Wahrheit benutze ich die meisten Rezepte ab dem zweiten Mal nur noch zur groben Inspiration und als Einkaufsliste. Beim Einwecken funktioniert das sehr gut. Man kann kaum grobe Fehler machen, am Ende schmecken die Dinge möglicherweise unterschiedlich, aber immer irgendwie gut. Wir haben also viel auf einmal gemacht, viel durcheinander, und man braucht mindestens zwei Durchgänge an aufeinanderfolgenden Tagen, wegen der vielen Trocknerei. Ich schlage deshalb eine Session vor, bei der man drei verschiedene Arten des Einlegens ausprobieren kann, und zwar so:

1. Sauer einlegen: Gurken, sauer und süßsauer, Mixed Pickles, Silberzwiebeln, Sandwichoder auch Butterbrot-Pickles. 2. Sauer einkochen: Mais-Paprika-Relish. 3. In Öl einlegen: Mediterranes Gemüse, Paprika- oder auch Chili-Schoten, ofengetrocknete Tomaten.

 

Die Tomaten sind irre. Im Ofen getrocknet werden sie nicht ganz trocken, also nicht wie die verschrumpelten, sonnengetrockneten. Am besten nimmt man deshalb eine Sorte, die nicht so viel Glibber drin hat, zum Beispiel Flaschentomaten. Da die nicht sofort zu bekommen waren, behelfen Sophia und ich uns mit normalen Strauchtomaten, die gehen zur Not auch. Am ersten Tag halbiert man sie und legt sie mit der offenen Seite nach oben auf ein Backblech. Wegen der Sauerei kann man es mit Alufolie auslegen. Ich persönlich schrubbe das Blech aber lieber hinterher. Dann beträufelt man die Tomaten mit Olivenöl, bestreut sie mit Zucker und Salz und gibt ein bisschen gehackte Minze drüber. So kommen sie in den Ofen, bei 50 bis 60 Grad und leicht offener Tür – wir klemmen dazu einen Holzlöffelstiel ein – und da bleiben sie für immer. Zumindest fühlt es sich so an. Acht bis zwölf Stunden. Und in den ersten Stunden sieht man überhaupt nichts. Es ist, als würde man der Wäsche beim Trocknen zugucken. Pures Zen. Oder auch: stinklangweilig. Deshalb ist es gut, das als erstes erledigt zu haben, dann kann man alles andere machen.

Jetzt kommen die sauren Gurken, wir schneiden Einlegegurken in grobe Scheiben, in einer Schüssel heben wir reichlich Salz unter und lassen das Ganze unter einem Tuch, es darf ziehen bis morgen. Für die Sandwich-Pickles legen wir die geschnippelten Gurken beiseite. Weißweinessig mit Wasser, je nach Geschmack, aber höchstens eins zu eins, mit Zucker und Gewürzen zum Kochen bringen. Für süßsaure Gurken Apfelessig und Wasser nehmen. Das heiße Zeug einwecken. Fertig. Dann blanchieren wir in rauen Mengen Gemüse. Für alle Nichtangeber: Blanchieren ist nur ein schickes Wort für kurz in Flüssigkeit oder Dampf brühen. Auch da gibt es zwei Wege: Das mediterrane Gemüse kann man sehr gut einzeln in einer Mischung aus Essig, Zucker und etwas Salz blanchieren, die weichen Gemüse nur zwei bis drei Minuten, feste wie Karotten bis sie bissfest sind, das sind bei uns acht bis zehn Minuten. Dann alles auf Küchenpapier abtropfen und abkühlen lassen. Dann füllt man es mit Kräutern in sterile Gläser und bedeckt es mit Olivenöl. Fertig.

Nebenbei blanchieren wir Gemüse in kochendem Wasser: die Perlzwiebeln – vor allem, damit man sie leichter schälen kann – aber auch testweise Maiskölbchen und Würfel von Roter Beete. Letztere wecken wir jeweils in heißem Essig mit etwas Zucker und Salz ein, das Ergebnis wird später seriös lecker sein. Auch die Gurkenscheiben für die Sandwich-Pickles werden kurz mit kochendem Wasser überbrüht und dann abgeschreckt.

Die Zwiebeln legt man für 24 Stunden in Salzlake im Mischverhältnis von etwa 1 : 10. Bei uns sind es 60 bis 70 Gramm Meersalz auf einen Dreiviertelliter Wasser. Wasser und Essig nach Geschmack (Vorschlag im Verhältnis eins zu eins) im Edelstahltopf ein paar Minuten kochen und dann heiß über die Zwiebeln geben. Genauso verfährt man mit dem kleinen Gemüse für die Mixed Pickles, es muss aber nur ungefähr halb so lang in der Lake einweichen, also lediglich über Nacht. Inzwischen riecht übrigens schon die komplette Wohnung nach Essig.

Zu probieren gibt es noch nicht viel: Das mediterrane Gemüse kann man knabbern, richtig gut ist es erst nach ein paar Tagen, und dann muss es auch recht flott verbraucht werden, es hält bei Weitem nicht so lange wie sauer eingelegtes.

Als letzten Schritt von Tag eins rösten wir hübsche, längliche Paprikaschoten. Das geht sehr gut unter dem Grill im Ofen. Weil im Ofen aber schon die trocknenden Tomaten sind, machen wir es in der Grillpfanne: Fünf Minuten von jeder Seite, bis die Haut an manchen Stellen schon schwarz ist und aufplatzt, dann lässt sie sich sehr leicht abziehen. Die gehäuteten Paprika legt man in Zitronensaft und Salz ein, wieder über Nacht. Wer mag, packt ein paar Knoblauchzehen dazu. Das wäre alles, bis morgen. Wenn man jetzt aufhören könnte. Doch es gibt da einen Fehler im System: Wenn man nur einweckt, hat man nichts, was man probieren kann – also naschen. Kochen und nicht dabei essen ist Unsinn. Deshalb würde ich nebenbei, falls noch eine Flamme auf dem Herd und Kapazität im Hirn frei ist, das Mais-Paprika-Relish einkochen, davon kann man sofort essen.

Am nächsten Morgen sind die Tomaten schön angeschrumpelt, aber noch geschmeidig. Spät abends habe ich den Ofen ausgeschaltet und die Tür zugeklappt, und jetzt sehen sie göttlich aus und kommen mit ein, zwei Rosmarinzweigen ins Glas. Man kann Chilis und Knoblauch dazutun. Dann füllt man das Glas mit einem guten Olivenöl auf, so dass alles bedeckt ist. Das in Olivenöl eingelegte Gemüse hält nicht so lange wie in Essig eingewecktes, weil das Öl nicht konserviert, sondern nur luftdicht abschließt, und in den Gläsern kein Vakuum entsteht – wir arbeiten ja nicht mit Hitze. Deshalb sind zwei Dinge wichtig: Man muss vorsichtig alle Lufteinschlüsse aus den Tomaten rühren und das Glas muss natürlich innen steril sein. Und schon ein paar Tage später sind die Tomaten irrwitzig lecker, und das Öl kann man super über Pasta geben. Schon das ist toll. Aber das ist nur der kleinste Teil des Spaßes oder Stolzes oder was auch immer einen überfällt, wenn man diese unwirklich schönen Tomaten im Glas sieht, in der goldenen Schwerelosigkeit des Olivenöls. Es ist, als hätte man die Welt überlistet und selbst etwas geschaffen, das sonst Profis oder Maschinen vorbehalten ist.Einwecken ist die beste Form von Selbstgemacht, schöner, echter, richtiger als alles andere.

Und so geht es weiter: mit den Gurken, den Pickles, der Paprika, Glas um Glas. Die Küche riecht noch mehr nach Essig. Es beißt fast in den Augen und Sophia ist längst verschwunden, weil ich sie zu oft von dem Topf mit dem kochenden Wasser weggescheucht habe, in dem ich die Gläser abkoche. Aber ich bin auf einer Mission hier, ich bin nicht Vater, sondern Oma, ich wecke ein. Ich konserviere für den Winter. Ich packe Leben in Gläser. Und ich lache dabei. Einfach, weil es geht.

Siehe hier:

http://www.nido.de/artikel/junges-gemuese

Start des Lehrjahrs: 14.000 Ausbildungsbetriebe haben überhaupt keine Bewerber mehr

03-Sep-16

Azubi im Einzelhandel: Wer diesen Berufswunsch hat, hat allerbeste Chancen.

Die Lage ist dieses Jahr besonders schlimm: Immer weniger junge Menschen verlassen aufgrund des demographischen Wandels die Schulen. Und immer mehr junge Menschen wollen studieren. Es leiden die Ausbildungsbetriebe für deren Lehrstellenangebote sich immer weniger Schulabgänger interessieren.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Jochen Schweitzer, hat dafür deutliche Worte gefunden. Den Unternehmen „gehen die Bewerber aus“, sagte er: „Rund 14.000 haben überhaupt keine Bewerber mehr.“

Immer mehr Alarmstimmung wegen des Azubi-Mangels: Mancherorts gibt es gar keine Bewerber mehr.

172.224 offene Ausbildungsstellen gab es laut DIHK Ende Juli. Ende Juli letzten Jahres waren es 168.900, also 3300 weniger. Richtig frappierend ist der Unterschied zum Vorjahr jedoch, wenn man sich ansieht, wie groß die Lücke zwischen  Ausbildungsangeboten und suchenden Jugendlichen ist: Die Arbeitsagenturen hatten diesmal Ende Juli noch 24.000 Ausbildungsangebote mehr als suchende Jugendliche zu vermelden; im Vorjahr waren es nur 13.000.

Es gibt auch in diesem Jahr wieder Berufe, in denen die Arbeitgeber besonders dringlich auf der Suche sind. Rund 6200 Plätze für Köche waren dort etwa gemeldet, 4400 Lehrstellen für Hotelfachleute und 5300 Plätze für Kaufleute im Büromanagement. Auch als Friseur, Lagerlogistiker, KFZ-Mechatroniker oder medizinischer Fachangestellter haben suchende Jugendlich noch richtig gute Chancen: In all diesen Berufen gibt es Tausende offene Plätze.

Den Handel trifft es am härtesten

Am härtesten trifft der Bewerbermangel allerdings den Handel. Nach DIHK-Angaben waren Ende Juli noch 12.300 Lehrstellen für Einzelhandelskaufleute offen und 11.400 als Verkäufer. „Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, geeignetes Personal für ihre Ausbildungsstellen zu finden“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Die Ursachen liegen im demographischen Wandel und in der zu geringen gesellschaftlichen Wertschätzung für die duale Ausbildung.“

Es müsse in den Schulen und insbesondere den Gymnasien noch deutlicher gemacht werden, dass nicht nur die akademische Bildung zu guten Karrierechancen führe. Im Handel beispielsweise kommen mehr als 80 Prozent der Führungskräfte aus den eigenen Reihen, viele davon haben ihre Laufbahn mit einer Ausbildung in der Branche begonnen, sagte der Verbandschef.

Ähnlich argumentiert auch der DIHK: „Viele junge Leute sind sich nicht im Klaren darüber, dass die Gefahr von Arbeitslosigkeit bei einer Kombination von betrieblicher Aus- und Weiterbildung geringer ist als bei Akademikern“, sagte Schweitzer. „Und häufig verdient eine Fachkraft keineswegs schlechter als jemand, der eine Hochschule besucht hat.“

Wer nicht „ausbildungsreif“ ist kann Unterstützung bekommen

Dass die Zahl der offenen Lehrstellen so hoch ist, hat aber noch einen weiteren, durchaus verblüffenden Grund: Obwohl der Anteil der Betriebe, die überhaupt junge Menschen ausbilden, laufend zurückgeht, steigt die Zahl der Ausbildungsplätze, die von den verbliebenen Lehrbetrieben angeboten werden, wie die F.A.Z. schon Mitte Juli berichtete. Weil die Nachwuchsjahrgänge und Bewerberzahlen schrumpfen, treffen angehende Azubis also auf mehr Stellen. Kein Wunder, dass Schweitzer wirbt: „Jugendliche Lehrstellenbewerber haben in diesem Jahr allerbeste Chancen.“

 

Der DIHK bemängelt allerdings auch, dass mancher Schulabgänger gar nicht die nötige Qualifikation für eine Berufsausbildung mitbringe. „Die Unternehmen tun schon eine ganze Menge, geben zum Teil sogar Nachhilfe, um auch leistungsschwächeren Ausbildungschancen zu geben“, sagte der Ausbildungsfachmann des DIHK, Markus Kiss. „Gleichwohl braucht es ein Mindestmaß an schulischer Vorbildung, damit eine Ausbildung erfolgreich geschafft werden kann.“

Ein von der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Vorjahr gestartetes Modell soll gegensteuern. Die so genannte „assistierte Lehrlings-Ausbildung“, die extra für schwächere Azubis gedacht ist. Dabei steht dem Lehrling und dem Betrieb meist ein Berufsbildungswerk zur Seite. Es gibt Nachhilfe für die jungen Menschen, aber auch so etwas wie „Lebenshilfe“ etwa bei Prüfungsstress oder Problemen mit dem pünktlichen Erscheinen bei der Arbeit. „Die Assistierte Ausbildung ist ein gutes Instrument, das beiden hilft – leistungsschwächeren Azubis und Ausbildungsbetrieben“, sagt Kiss.

Das Programm stößt auf wachsendes Interesse: Schon im ersten Jahr haben Angaben der BA zufolge 4800 Jugendliche von dem Projekt profitiert. Im neuen Lehrjahr sollen bis zu 7350 Auszubildende im Rahmen des Projekts betreut werden können; wie viele das Unternehmen und Azubis das Angebot tatsächlich nutzen werden ist bis dato noch unklar.

Erstmalig veröffentlicht auf:

http://www.faz.net/aktuell

Zehn Jahre nach dem Rütli-Schul-Aufruf: Radikal reformiert

12-Jun-16

Zehn Jahre nach dem Rütli-Schul-Aufruf

Der Brief der Neuköllner Rütli-Schule machte Geschichte. Heute ist die ehemalige Hauptschule ein Vorzeigeprojekt. Doch wie sieht es an anderen Schulen aus?

Der Brief der Neuköllner Rütli-Schule machte Geschichte. Setzte er doch einen Prozess in Bewegung, an dessen Ende die Hauptschule als Verliererschule faktisch abgeschafft wurde. Heute besucht nur noch jeder zehnte Schüler eine Hauptschule.

Ziemlich exakt zehn Jahre ist es her, als ein von LehrerInnen einer Neuköllner Hauptschule verfasster Brief an die Öffentlichkeit gelangte. Darin beklagten sie die Zustände im Klassenraum: „Lehrkräfte werden gar nicht wahrgenommen, Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte durch die Klassen, Anweisungen werden ignoriert.“ Sie stellten das gegliederte Schulsystem infrage: „Welchen Sinn macht es, dass in einer Schule alle Schüler/innen gesammelt werden, die weder von den Eltern noch von der Wirtschaft Perspektiven aufgezeigt bekommen, um ihr Leben sinnvoll gestalten zu können.“

Doch Schulen wie die Rütli-Schule damals gibt es immer noch. Nur heißen sie jetzt anders. Eine solche Schule ist die Berliner Integrierte Sekundarschule Hector Peterson. Die Schule versucht aus eigener Kraft, den Ruf der Verliererschule abzulegen und reformiert sich dafür radikal. Wie ihr das gelingt und warum die Schulleiterin derzeit nur ein gemischtes Fazit ziehen kann, lesen Sie in der taz.am wochenende.

Bildung ist ein Chancenbeschleuniger. Je höher der Abschluss, desto leichter der Eintritt in den Arbeitsmarkt und desto höher das Einkommen. Das zeigt der in dieser Woche veröffentlichte Sozialbericht des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung.

Noch keine Chancengleichheit

Die Integration der Hauptschulen in andere Schulformen hat jedoch nicht dazu geführt, dass heute Chancengleichheit herrscht. Das zeigen etwa Zahlen der Berliner Senatsbehörde für Bildung, die der taz vorliegen. In Berlin gibt es zwei Oberschulformen, die auf dem Papier gleichwertig sind: Gymnasien und Integrierte Sekundarschulen. Doch nur jede dritte Sekundarschule besitzt eine eigene Abituroberstufe. Das wirkt sich auf die Schülerschaft aus. An drei von vier Sekundarschulen ohne Abiturstufe sind mindestens 40 Prozent Schüler, beziehungsweise deren Familien, auf staatliche Unterstützung angewiesen oder sind zugewandert. Nicht einmal jedes dritte Berliner Gymnasium erreicht diese Werte.

Bundesweit das gleiche Bild. In Hamburg, beispielsweise, wo die Schulstruktur ähnlich ist, ist fast jeder dritte Schüler einer Stadtteilschule sehr niedriger oder niedriger sozialer Herkunft, ein doppelt so hoher Anteil wie an den Gymnasien.

Warum das so ist? Weil mit der Stärkung der Institution Gymnasium, das Klassensystem Schule insgesamt erhalten blieb. So die These der Geschichte in der taz.am wochenende.

 

Zuerst veröffentlicht auf:

www.taz.de/

Mehr Möglichkeiten beruflicher Weiterbildung

09-Jun-16

Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung erhalten bei Teilnahme an einer abschlussbezogenen Weiterbildung künftig Prämien für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen. Der Vorrang, jemanden in ein neues Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln, soll einer Weiterbildung künftig nicht mehr im Weg stehen, wenn durch diese eine dauerhafte berufliche Eingliederung erreicht werden kann.

Das beschloss der Bundestag am Donnerstag, 2. Juni 2016, indem er mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD den geänderten Gesetzentwurf (18/8042) der Bundesregierung zur Stärkung der beruflichen Weiterbildung und des Versicherungsschutzes in der Arbeitslosenversicherung (AWStG) annahm. Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich bei der Abstimmung.

Regierungsentwurf und Anträge der Opposition

Zu den umfangreichen Regeln des Entwurfes gehört auch, dass Menschen, die ihre Beschäftigung oder den Bezug von Arbeitslosengeld durch eine länger andauernde Weiterbildung unterbrechen, den zuvor bestehenden Arbeitslosenversicherungsschutz auf dem Weg einer freiwilligen Weiterversicherung durch Zahlung eigener Beiträge aufrechterhalten können. Außerdem wird eine bis Ende 2016 befristete Sonderregelung zur verkürzten Anwartschaftszeit für überwiegend kurzzeitig Beschäftigte bis 31. Juli 2018 verlängert.

Grüne und Linke hatten jeweils eigene Anträge eingebracht, die jedoch abgelehnt wurden. Die Linke hatte in ihrem Antrag (18/7425) unter anderem gefordert, die Rahmenfrist, innerhalb derer Anwartschaftszeiten für den Bezug von Arbeitslosengeld (ALG I) erworben werden müssen, von zwei auf drei Jahre heraufzusetzen und die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld zu verlängern.

Die Grünen plädierten in ihrem Antrag (18/5386) ebenfalls dafür, Beitrags- und Anwartschaftszeiten grundlegend neu zu regeln. So sollte schon nach viermonatiger Beitragszeit ein zweimonatiger Bezug von Arbeitslosengeld möglich sein und die freiwillige Arbeitslosenversicherung für alle Selbstständigen geöffnet werden.

Bundesregierung: Präventive Arbeitsmarktpolitik

Anette Kramme (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, lobte den Gesetzentwurf als „Beitrag für eine präventive und aktivierende Arbeitsmarktpolitik“, von dem Menschen profitieren, denen Weiterbildung bisher verschlossen war.

Sie betonte, dass sich die SPD in Bezug auf eine Verlängerung der Rahmenfrist auf drei Jahre mehr erhofft hätte, dies aber „nicht erreichbar“ gewesen sei.

Linke: Es gibt kaum Weiterbildungsangebote

„Eine tatsächliche Stärkung der Weiterbildung suche ich in dem Entwurf vergeblich“, resümierte dagegen Sabine Zimmermann (Die Linke).

Sie warf der Bundesregierung vor, das Bild des unmotivierten Erwerbslosen zu bemühen, wenn sie davon rede, mit Prämien die Motivation stärken zu wollen. „Das ist schäbig. Denn die Wahrheit ist: Viele Erwerbslose wollen sich weiterbilden, aber es gibt kaum Weiterbildungsangebote für sie.“

CDU/CSU: Wir schließen Lücken

Albert Weiler (CDU/CSU) hielt dagegen: „Mit dem Gesetzentwurf nehmen wir vor allem Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose in den Focus, um sie zu qualifizieren.“ Derzeit breche jeder vierte Teilnehmer seine Weiterbildung vorzeitig ab. Diese Zahl zu reduzieren, sei der richtige Weg, so Weiler.

Außerdem würden Lücken in der Arbeitslosenversicherung geschlossen, durch die Möglichkeit, sich während einer Weiterbildung freiwillig weiter zu versichern.

Grüne: Mit zweierlei Maß

Brigitte Pothmer (Bündnis 90/Die Grünen) erkannte zumindest eine Gemeinsamkeit mit der Bundesregierung, nämlich in der Feststellung, dass Deutschland ein Fachkräftearbeitsmarkt sei und man in die Fachkräfte investieren müsse. „In begrenztem Umfang“ tue dies der Gesetzentwurf für die Bezieher von Arbeitslosengeld I, sagte Pothmer.

Sie warf der Regierung jedoch vor, mit zweierlei Maß zu messen, weil sie bestimmte sinnvolle Änderungen, wie die Abschaffung des Vermittlungsvorrangs, nicht auf SGB-II-Bezieher (Hartz IV) ausdehne. „Sie haben die SGB-II-Bezieher vollständig abgeschrieben“, warf sie der Regierung vor.

SPD: Neue Wege eröffnen

Für die Sozialdemokraten betonte Michael Gerdes (SPD): „Wir verabschieden das Gesetz, damit mehr Menschen Zugang zu beruflicher Weiterbildung und Ausbildung haben. Wir wollen denjenigen, die bisher von Arbeit und Ausbildung ausgeschlossen sind, neue Wege eröffnen.“ Es sei nicht hinnehmbar, dass die Mehrheit der Menschen im SGB-II-Bezug keinen Berufsabschluss hat.

Je geringer die Qualifikation, je geringer seien die Chancen, desto weniger Teilhabe gebe es. „Wir wollen als Sozialdemokraten selbstverständlich das Gegenteil“, bekräftigte Gerdes. (che/02.06.2016)

 

Entdeckt:

www.bundestag.de/blueprint/servlet/redirect/423888

Der grüne Matcha Burger ist ein Low Carb-Wunder

26-Mai-16

Wer Burger liebt, aber die vielen Kalorien fürchtet, kann aufatmen. Aus Australien kommt der Matcha Burger zu uns, mit dem ihr euer grünes Wunder erleben werdet.

Nach Matcha Tee und Matcha Latte kommt ein neuer grüner Trend direkt auf uns zu: der Matcha Burger. Der sieht mit seinen knallgrünen Burger-Brötchen nicht nur richtig spektakulär aus, sondern kommt auch noch mit richtig wenigen Kalorien aus. Das Geniale: Matcha Pulver löst einen regelrechten Stoffwechsel-Boost aus, mit dem ihr praktisch schon während des Essens Kalorien verbrennt. Für euch bedeutet das vor allem eins: Schlemmen ohne Reue.

Doch der Grüne Tee ist nicht nur ein Hingucker auf eurem Teller: Auch geschmacklich muss sich der Matcha im Burger nicht verstecken. Während normale Burger auf Fette und Kohlenhydrate als Geschmacksträger zählen, setzt das grüne Pulver eigene tolle geschmackliche Akzente. Der Tee bringt eine erfrischende, exotische Note in euer Burger-Erlebnis. Und das ganz natürlich.

Habt ihr Lust bekommen, den Matcha Burger selber einmal auszuprobieren? Dann gibt es hier das Rezept:

Zutaten für 6 Matcha Burger Bun-Hälften:

  • ca. 5 g Matcha Pulver
  • 3 Eiweiß
  • 100 g Magerquark
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung von Matcha Burgern:

Eiweiß steif schlagen und dann Matcha-Pulver, Salz und Pfeffer unterrühren, sodass ein Teig entsteht. Sechs großzügige Kleckse dieses Teigs auf einem Backblech mit Backpapier setzen und dann für 25 Minuten bei 150 ° C (Ober- und Unterhitze) backen. Schon sind die Matcha Burger-Buns fertig.

Der perfekte Low Carb-Matcha Burger

Wie low carb euer Matcha Burger dann wirklich ist, hängt natürlich von den Dingen ab, mit denen ihr ihn belegt. Rinderhackfleisch kommt nicht infrage. Hähnchenfleisch ist eine gute Alternative. Oder ihr probiert es vegetarisch oder gar vegan. Dazu passen unser Rezept für vegetarische Burger oder unser beliebter Veggie-Burger. Auch dieses Rezept für Veggie-Burger mit Tofu-Schnitzel kommt als Inspiration infrage.

Von kalorienhaltigen Burger-Soßen solltet ihr natürlich ebenfalls die Finger lassen, wenn ihr einen gesunden Matcha Burger zubereiten wollt, der euch beim Abnehmen unterstützt. Ketchup und Mayonnaise sollten in der Low Carb-Variante durch Senf, körnigen Frischkäse oder etwas Mager-Quark ersetzt werden. Beim Gemüse sind euch hingegen keinerlei Grenzen gesetzt. Probiert einfach aus, was euch schmeckt. Pilze und Gurken sind kalorienarme Zutaten, die auf einem Burger eigentlich immer gehen.

Homepage besuchen:

www.brigitte.de/rezepte/koch-trends/matcha-burger-1276613/

Deutsch-Lehrbücher für Flüchtlinge: Sprache wie Mathematik

21-Apr-16

Deutsch-Lehrbücher für Flüchtlinge

Hunderttausende Geflüchtete lernen Deutsch. Doch Alltagssprache üben sie nur selten. Zu Gast in einem Sprachkurs.

Faouzi El-Jassem kommt gut mit im Unterricht. Im Test erzielt er 28 von 30 Punkten. „Deutsch ist für mich nicht schwer. Ich kann es mit Spanisch vergleichen.“ Über seine Fehler ärgert sich der Schüler dennoch: „Ich kann die Regeln“, sagt er und zeigt auf einen Fehler im Lückentext. „Ich habe die Präposition ‚mit‘ nicht gesehen“. Faouzi El-Jassem ist gelernter Laborant. Damit er auch in Deutschland einen Job bekommt, muss er die Sprachprüfung bestehen. Seit fünf Monaten paukt der 48-jährige Libanese täglich für den bevorstehenden „Deutschtest für Zuwanderer“. Für das geforderte Niveau B1 brauchen El-Jassem und die anderen 16 KursteilnehmerInnen vor allem Grammatiktraining. Es geht um sämtliche Regeln und Ausnahmen der deutschen Grammatik: Konjunktiv, Passiv, lokale Präpositionen. Wer die Prüfung besteht, hat erfolgreich am Integrationskurs teilgenommen. Und das heißt: unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, Zugang zum Arbeitsmarkt.

„70 Prozent der Prüfung besteht aus Grammatikaufgaben“, sagt Gülcan Eren. Die Deutschlehrerin nimmt an diesem Tag Adjektivdeklinationen mit dem bestimmten Artikel durch. An die Tafel hat Eren farbige Beispielsätze gemalt. Sie lässt wiederholen: „Beim Akkusativ heißen die Artikel den, die, das. Das müsst ihr lernen.“ In Erens Integrationskurs sitzen die, die es fast geschafft haben, die motiviert sind.

Doch nicht jeder im Kurs bringt Fremdsprachenkenntnisse mit wie Laborant El-Jassem. In manchen Kursen seien die Unterschiede zwischen den KursteilnehmerInnen so gravierend, dass sie mehrere Kleingruppen bilden müsse. Dann könne sie die Lernziele aus dem Buch kaum erreichen. „Die Anwendung kommt viel zu kurz“, sagt Eren.

 

Bil|dungs|stan|dard, der

 

Die Berliner dtz-bildung & qualifizierung GmbH, die den Integrationskurs anbietet, arbeitet mit dem Buch „Schritte Plus“ vom Hueber-Verlag. Das Lehrwerk ist für „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) konzipiert. Es richtet sich nicht an Flüchtlinge mit heterogenem Bildungsstandard, die in Deutschland sind, sondern an die rund 16 Millionen Deutschlernenden mit hohem Bildungsniveau im Ausland. Bei dieser Zielgruppe steht nicht die schnelle Sprechfähigkeit im Vordergrund, sondern der systematische Erwerb der deutschen Sprache. Ein Konzept, das Deutschlerner Faouzi El-Jassem nicht versteht: „Sprache lernt man mit Gefühl, im Kontakt mit Deutschen. In unserem Buch ist Sprache wie Mathematik.“

Für die Hunderttausenden Flüchtlinge, die derzeit in Deutschland sind, wäre ein anderes Konzept geeigneter: „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ). Es zielt darauf ab, dass sich Lernende in einem deutschsprachigen Land zurechtfinden müssen. Umgangssprache und Alltagswortschatz sind für sie dringender als die Ausnahmen bei der Konjunktivbildung. Doch die meisten Flüchtlinge in Deutschland arbeiten mit Deutschbüchern für Fremdsprachenlernende. Also mit Büchern, die voll mit Grammatik und alltagsfremden Beispielen sind.

Ausgebildete Lehrkräfte mögen darauf vorbereitet sein, bei heterogenen Lerngruppen „binnendifferenziert“ zu unterrichten. Doch wie gut kommen die Laien in den vielen ehrenamtlichen Sprachkursen mit Büchern zurecht, die ausschließlich für Lerner mit hohem Bildungsniveau konzipiert wurden? Mit SchülerInnen, die zum Teil gar nicht, zum Teil nur arabisch alphabetisiert sind?

„Viele Deutschbücher sind zu komplex“, sagt Moses Fendel. „Sie setzen voraus, dass die Schüler wissen, wie Fremdsprachenlernen funktioniert.“ Der 28-Jährige ist einer von den Tausenden ehrenamtlichen Deutschlehrern im Land, die derzeit bei der Integration der Asylsuchenden mithelfen. Didaktische Vorkenntnisse bringt der Geschichtsstudent zwar nicht mit, aber Sprachtalent. Fendel spricht Russisch und Spanisch.

Seit einem Jahr geben Fendel und andere Ehrenamtliche jungen afrikanischen Männern, die in Berlin Kirchenasyl genießen, Deutschunterricht. Dass der Kurs kostenlos ist und auch Personen ohne Papiere offensteht, hat sich herumgesprochen. Zwischen 10 und 15 Kursteilnehmer aus ganz Berlin kommen viermal die Woche zum Unterricht in die Gemeinde der Kreuzberger Passionskirche. Wer regelmäßig kommt, muss auch keine Deutschbücher bezahlen. Gemeindemitglieder haben das Geld für die Bücher gespendet.

Fendel erinnert sich, dass ihnen jemand das Buch „Berliner Platz neu“ vom Klett-Verlag empfohlen hatte. Der Einstiegskurs „A0“ sei geeignet, Lernenden ohne Vorkenntnisse Alltagssprache beizubringen. „Ein guter Start – für Flüchtlinge und Asylbewerber“, wirbt der Verlag auf seiner Website. Dem kann sich Fendel nicht vollends anschließen: „Die Komplexität ist stark reduziert, das schon.“ So würden etwa Possessivpronomen nur in der ersten und zweiten Deklination – mein, dein – gebraucht.

Die Aufgabenstellungen würden die Schüler jedoch überfordern. Wenn es heißt: Ergänzen Sie, ordnen Sie zu, kreuzen Sie an, sei das vielen zu abstrakt. „Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind, wissen, wie Lernen funktioniert“, sagt Fendel. Dass das nicht überall so ist, müsse man sich bewusst machen.

 

Le|bens|wirk|lich|keit, die

 

Ehrenamtliche Sprachlehrer wie Moses Fendel haben es schwer, das komplette Angebot an DaF- und DaZ-Büchern zu überblicken. Auf der Bildungsmesse Didacta, die vor zwei Wochen in Köln zu Ende ging, präsentierten die Verlage ihre Angebote, die speziell auf Flüchtlinge zugeschnitten sein sollen. Für die Branche ist das ein riesiger Absatzmarkt. Allein für die schulische Sprachförderung in den sogenannten Willkommens- und Übergangsklassen bieten die Verlage nach eigenen Angaben weit mehr als 1.000 verschiedene Bücher an. Und mittlerweile sogar eine Vielzahl kostenloser Materialien zu einzelnen Unterrichtsstunden.

Aber es gibt auch Alternativen zu den Verlagsangeboten. Sehr beliebt ist das „Thannhauser Modell“, benannt nach der schwäbischen Kleinstadt Thannhausen, in der das Buch entwickelt wurde. Als sich im vergangenen Jahr herumsprach, dass zwei pensionierte Schulleiter die selbst erstellten Unterrichtsblätter zum Selbstkostenpreis verschickten, waren die ersten tausend Exemplare schnell vergriffen. Mittlerweile gibt es das Büchlein schon in der 9. Auflage. Denn es ist günstig. Mit 6,50 Euro kostet ein Buch nur halb so viel wie viele Standardwerke.

Einer der beiden Autoren, Karl Landherr, erklärt sich die Beliebtheit nicht allein mit dem Preis. Das dünne Büchlein verzichte fast gänzlich auf Grammatik: „In unserem Buch müssen die Schüler nicht deklinieren und nicht konjugieren“, sagt Landherr. „Die Neuankömmlinge sollen einfache mündliche Sprachkenntnisse erwerben“. Und zwar in den Bereichen, wo sie sie wirklich brauchen. Smartphones als lebenswichtige Brücke zu ihren Familien kommen in den Kapiteln genauso vor wie Sparangebote der Deutschen Bahn oder ein Schema zum Asylverfahren. „In anderen Büchern heißen Kapitel ‚Meine Wohnung‘ oder ‚Im Urlaub‘“, sagt Landherr. „Aber welcher Asylbewerber hat schon eine eigene Wohnung oder fährt in den Urlaub?“

Der Hauptunterschied zu anderen Werken ist aber, dass das Thannhauser Modell deutsche Wörter im Buch übersetzt. Neben Englisch und Französisch gibt es die Bücher seit Kurzem auch in arabischer, persischer oder tigrinischer Übersetzung. Damit kämen die Flüchtlinge viel schneller mit, behauptet Landherr.

 
Sprach|di|dak|tik, die

 

Das Büchlein solle aber die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugelassenen Bücher nicht ersetzen, sondern ergänzen. Manche Anbieter von Integrationskursen wie das Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen in Köln oder die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA) setzen das Thannhauser Modell bereits für Vorkurse ein. Die DAA hat nach eigenen Schätzungen bundesweit mehrere tausend Bücher bestellt. Das Buch hat jedoch auch Kritiker.

Einer von ihnen ist Hermann Funk, Professor für Didaktik Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Jena. „Ich schätze das ehrenamtliche Engagement“, sagt er. „Aber niemand sollte so auftreten, als hätte er ein passgenaues Schulbuch für Flüchtlinge.“ Das sei unseriös. Sprachdidaktisch sei das Thannhauser Buch nicht gerade auf dem neuesten Stand. Die Übungen würden nicht aufeinander aufbauen, und nicht alle Alltagsgespräche im Buch seien wirklich praxisnah: „Wer sagt denn ‚Ich kaufe Tomaten‘ oder ‚Das Nashorn ist am größten‘?“

An der Arbeitsstelle für Lehrwerkforschung und Materialentwicklung untersucht Funk Daz- und Daf-Bücher. Welches Lehrbuch er empfehlen könne? Ehrenamtlichen Sprachlehrern rät er, wenn überhaupt, auf vom Bundesamt für Migration zugelassene Lehrwerke zurückzugreifen. „Versuchen Sie, kein neues Lehrbuch zu schreiben, es wird nicht besser“, warnt Funk. Doch genau genommen sollten in heterogenen Klassen ausschließlich ausgebildete Lehrkräfte unterrichten. Ehrenamtliche sollten sich lieber als „Sprachhelfer“ verstehen. Sie könnten beispielsweise beim Vokabeltraining helfen.

Die hätte zumindest Faouzi El-Jassem aus dem Integrationskurs nicht nötig. Neben der Grammatik paukt er zu Hause auch den Wortschatz aus den Kapiteln. Als einer von wenigen hat El-Jessem im Unterricht erklären können, was „Beratungspflicht“ heißt. El-Jessem lernt aber nicht nur, um die alles entscheidende Grammatikprüfung zu bestehen: „Viele Ausländer haben in Deutschland ein Problem“, sagt er: „Sie verstehen nicht, dass Lernen hier ein Teil der Mentalität ist.“

 

 

Erstmals veröffentlicht:

http://www.taz.de/Deutsch-Lehrbuecher-fuer-Fluechtlinge/!5281803/

Kinder auf den Besuch bei Oma und Opa vorbereiten

14-Apr-16

Ein Besuch bei den Großeltern ist für die meisten Kinder etwas ganz Tolles. Sie freuen sich riesig darauf und genießen die gemeinsamen Stunden mit Oma und Opa in vollen Zügen. Schon bald ist Kindern nämlich klar, dass die Großeltern vieles gelassener nehmen als ihre Eltern und auch um einiges mehr Zeit haben, sich mit ihnen zu beschäftigen und zu spielen, als Mama und Papa. Die Zuneigung und Freude beruht meistens auf Gegenseitigkeit, dadurch haben Großeltern und Enkel häufig einen ganz besonderen Draht zueinander und bilden ein wunderbares Team.

 

Doch nicht immer verläuft der Besuch bei Oma und Opa so, wie sich Eltern das wünschen. Lassen Großeltern ihren Enkelkindern nämlich zu viele Freiheiten und verwöhnen sie zu sehr, so kann dies zu Konflikten mit den Eltern führen. Daher sollten Vater und Mutter, zusammen mit den Kindern und den Großeltern im Vorfeld einige Regeln festlegen, an die sich die Kinder zu halten haben. Denn nur durch feste Absprachen kann man Generationskonflikte entgegenwirken oder vielleicht sogar ganz vermeiden.

 

Wie Sie Ihre Kinder und auch die Großeltern am besten auf den Besuch vorbereiten!

  • Kinder wissen ganz genau, welche Sonderstellung sie bei ihren Großeltern einnehmen und dass Oma und Opa öfter mal ein Auge zudrücken. Doch damit es nicht überhand nimmt, sollten Sie Ihrem Kind klar und deutlich sagen, dass es auch bei den Großeltern bestimmte Grundregeln gibt, die es zu befolgen hat.
  • Legen Sie diese Grundregeln vorab bei einem gemeinsamen Gespräch mit dem Kind und den Großeltern fest, denn so können sich beide Seiten besser auf den Besuch einstellen und vorbereiten. Falls nicht anders möglich, können Sie die Absprachen auch telefonisch treffen.
  • Außerdem ist es sinnvoll, Ihrem Kind zu erklären, dass Oma und Opa möglicherweise nicht mehr so belastbar sind und ihre Grenzen manchmal schneller erreichen, als Ihr Kind es bisher von ihnen gewohnt ist. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es bestimmte Dinge betreffen Rücksicht nehmen sollte auf die Großeltern, z. B. beim spielen nicht zu laut sein, nicht zu sehr herumtoben, sich gut benehmen und gehorchen, damit Oma und Opa nicht in Stress geraten und mit der Situation evtl. überfordert sind.
  • Da Großeltern teilweise nicht so üppig mit Spielsachen ausgestatte sind, um Kinder über längere Zeit zu beschäftigen, ist es vorteilhaft, wenn Ihr Kind noch Spielzeug von daheim mitnimmt. Am besten lassen Sie Ihr Kind selbst etwas von seinem Spielzeug aussuchen und einpacken. Allerdings sollte auch etwas dabei sein, womit sich Ihr Kind allein beschäftigen kann, während Oma und Opa zwischendurch eine Ruhepause einlegen oder anderweitig dringend etwas zu erledigen haben. Ratsam ist, dass Sie nochmals ein Auge darauf werfen, bevor Ihr Kind die Spielsachen einpackt.
  • Bleibt Ihr Kind zum Übernachten bei den Großeltern, dann braucht es sicherlich auch sein Lieblingskuscheltier und unter Umständen sein eigenes Kopfkissen oder eine Kuscheldecke, um sich wohlzufühlen.
  • Geht Ihr Kind länger zu Oma und Opa, ist es sinnvoll, wenn Sie im Vorfeld abklären, was während der Ferien alles auf dem Programm steht und dann zusammen mit Ihrem Kind die Tasche packen. Denn so weiß auch das Kind, was es alles dabei hat. Es gehören sowohl gute Kleidung zum weggehen, als auch ältere Sachen für den Garten oder den Spielplatz ins Gepäck. Im Sommer sind zudem Badekleidung und Sonnenschutz wichtig.
  • Muss Ihr Kind regelmäßig irgendwelche Medikamente nehmen oder leidet es an einer Allergie, müssen Sie dies den Großeltern mitteilen und auch Ihrem Kind (sofern es groß und reif genug ist) ins Gewissen reden, dass es daran denkt.
  • Machen Sie Ihrem Kind den Besuch bei den Großeltern schmackhaft und versprechen Sie ihm, dass es Sie im Nofall immer erreichen kann. Halten Sie dieses Versprechen unbedingt ein, denn sonst wird Ihnen Ihr Kind nicht mehr vertrauen, was einer guten Eltern-Kind-Beziehung enorm schadet.
  • Stellt Ihr Kind im Vorfeld Fragen zum Besuch bei Oma und Opa, so sollten Sie ihm diese ausführlich und ehrlich beantworten. Sie können so eventuelle Unsicherheiten Ihres Kindes aus dem Weg räumen und die Vorfreude auf den Aufenthalt bei den Großeltern steigern.
  • Erzählen Sie Ihrem Kind, was Sie selbst alles in Ihrer Kindheit mit den Großeltern erlebt haben.
  • Hat Ihr Kind aber trotz allem Heimweh und möchte wieder nach Hause, sollten Sie es baldmöglichst abholen, es könnte sonst künftig zu Problemen führen, was Besuche bei Oma und Opa betrifft.

Am einfachsten ist es, wenn Kinder schon als Baby ständigen Kontakt zu den Großeltern haben, so dass Oma und Opa weitere Bezugspersonen für das Kind sind und es sich bei ihnen wie zuhause fühlt. Natürlich ist das nicht immer möglich, denn schließlich kommt es auch darauf an, ob die Großeltern gleich um die Ecke oder weiter weg wohnen.

Aufgespürt auf:

www.vorname.com/ratgeber/

Soziales – Armutskonferenz fordert mehr Geld für Brennpunktschulen

28-Mrz-16

Bildungsministerium will Sozialindexierung bei Schulbudgets forcieren

Wien – Die Armutskonferenz hat am Freitag ihre Forderung nach mehr Geld für Schulen in sozial benachteiligten Bezirken wiederholt, auch die Grünen plädieren für eine „bedarfsorientierte Mittelzuteilung“. Im Bildungsministerium wird ein solcher Sozialindex befürwortet, er soll im Rahmen der geplanten Gesamtschul-Modellversuche umgesetzt werden.

Die Idee dahinter: Ein Sozialindex auf Basis von Bildungsstand, Beruf und Einkommen der Eltern entscheidet darüber, wie viel zusätzliche Mittel eine Schule bekommt. So sollen Standorte mit besonders großen Herausforderungen mehr Personal einstellen bzw. spezielle Unterstützungsangebote machen können.

Besserer Unterricht

Geht es nach der Armutskonferenz, soll jeder Standort ein Konzept entwickeln müssen und später die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft werden, um eine sinnvolle Verwendung der Mittel sicherzustellen. Schwerpunkt der Maßnahme müssten in Österreich besserer Unterricht und die Raumstruktur sein, heißt es in der Aussendung. Mithilfe „kompensatorischer Ressourcenzuteilung“ könne „in den Schulen einiges verbessert werden“ verwies Martin Schenk von der Armutskonferenz auf gute Erfahrungen in den Niederlanden, Zürich, Hamburg und Kanada.

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser betonte die wichtige Rolle der Autonomie beim Mitteleinsatz und bei den pädagogischen Maßnahmen. Probleme an den Pflichtschulen, wo ein Teil der Schüler nach Ende der Schulpflicht mit nur marginalen Lese- und Rechenfähigkeiten abgeht, könnten nur an den jeweiligen Standorten gelöst werden. Vor allem an den Volksschulen brauche es neben mehr Geld mehr Möglichkeiten, flexibel auf die Bedürfnisse der Schüler einzugehen.

Grüne: 24 Millionen Euro nötig

Kurzfristig müssten umgehend jene 24 Millionen Euro ausbezahlt werden, die zusätzlich für die Sprachförderung von Flüchtlingen angekündigt wurden; außerdem müssten weitere Mittel aus dem Integrationstopf bereitgestellt werden, so die Grünen. Dass die im vergangenen November angekündigten Bildungsreformen von der Regierung noch immer nicht vorgelegt wurden, nannte Walser angesichts der Probleme an Pflichtschulen „unverantwortlich“.

Vom Bildungsministerium wird die Idee einer Sozialindexierung der Schulbudgets unterstützt. Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte sich in der Vergangenheit selbst für eine Änderung der Mittelzuteilung stark gemacht. Nun soll, wie es auf APA-Anfrage aus dem Ministerium heißt, im Rahmen der angekündigten Bildungsreform an einer Umsetzung gearbeitet werden. Speziell bei den Modellregionen zur Gesamtschule könnte eine solche neue Finanzierungsform einfließen.

Bei der Sprachforderung sei man bereits aktiv geworden, heißt es in Richtung der Grünen: Die Fördermittel für zusätzliche 208 Sprachlehrerposten seien schon freigegeben worden. Bei der Bildungsreform sei man in ständigen Verhandlungen und Abstimmungen mit der ÖVP, „noch vor dem Sommer“ sollen „erste sichtbare legistische Schritte“ gesetzt werden. (APA, 18.3.2016)

 

Originalbeitrag lesen:

derstandard.at

1001 Leckerbissen

05-Mrz-16

Rezepte: Hans Gerlach

Es wird mal wieder Zeit für etwas Abwechslung auf dem Abendbrottisch? Wir hätten da ein paar leckere Ideen!

 

Falafel mit Kräuterjoghurt und Quittenchutney (4-6 Portionen)

Das braucht man:
500 g Kichererbsen (trocken)
2 Knoblauchzehen
200 g Zwiebeln
1 Bund Koriander oder Petersilie
1 getrocknete Chilischote
je 1 TL Piment, Koriander und Kreuzkümmel
1 Prise Zimt
1 TL Salz
½ TL Backpulver
100 g Sesam
neutrales Öl zum Ausbacken

Joghurtdip:
1 Bund Dill
½ Gurke
Salz
Kreuzkümmel
250 g Rahm-joghurt 10%
etwa ½ TL Harissa

Quittenchutney:
250 g Schalotten
500 g Quitten
150 g Datteln oder getrocknete Aprikosen
1 gestr. TL Salz
100 g Zucker
2 EL Sonnenblumenöl
1–3 Chilischoten
1 TL Ras el-Hanout (oder ½ TL Kreuzkümmel)
2 Bio-Orangen
125 ml Apfelessig

So geht´s:

Falafel
1. Kichererbsen in reichlich kaltem Wasser 24 Stunden quellen lassen.
2. Dill waschen, trocken schütteln und hacken. Gurke schälen, längs halbieren, die Kerne herauskratzen. Das Fruchtfleisch grob raspeln, salzen und in einem Küchentuch fest ausdrücken. Gurke, Joghurt und Dill mischen, mit Salz, Harissa und Kreuzkümmel abschmecken.
3. Kichererbsen abgießen, abtropfen lassen. Knoblauch und Zwiebeln schälen, Koriander waschen, trocken schütteln, alles grob würfeln und hacken. Alles zusammen durch den Fleischwolf lassen (feine Scheibe) oder im Blitzhacker nicht zu fein pürieren. 2 Stunden ruhen lassen, dann mit den Gewürzen und Backpulver (ohne den Sesam) ein zweites Mal durch den Wolf lassen oder durchmixen.
4. Mit einem Esslöffel walnussgroße Teigportionen abstechen. Einen Teller mit nicht zu viel Sesam bestreuen, Falafel darin wenden, flach drücken oder zu Kugeln formen und beiseite legen. Eine große, beschichtete Pfanne 0,5 cm hoch mit Öl füllen (für Kugeln eher 3 cm). Erhitzen, bis von einem ins Fett geworfenen Kräuterblättchen sofort Bläschen aufsteigen. Falafel in mehreren Portionen nacheinander goldbraun ausbacken, gut abtropfen lassen. Falafel mit Joghurtdip und Quittenchutney servieren.

Quittenchutney
1. Schalotten schälen, in Scheiben schneiden. Quitten waschen, vierteln, dabei das Kernhaus entfernen, das Fruchtfleisch auf einer groben Reibe zerkleinern. Datteln entkernen, schälen und grob schneiden. Alles in einen Topf geben, salzen und mit Zucker mischen. 20 Minuten ziehen lassen.
2. Chilischoten waschen und in Ringe schneiden, zusammen mit Ras el-Hanout zu den Quitten geben. Orangen waschen, die Schale einer Orange hauchdünn abschälen, den Saft von beiden Früchten auspressen, beides zu den Quitten geben und 20–40 Minuten bei schwacher Hitze garen. Dabei den Deckel auflegen, erst kurz vor Schluss abnehmen, den Essig und das Öl zugeben und bei größerer Hitze marmeladenartig einkochen. Harte Quittensorten benötigen eine deutlich längere Garzeit als weiche Sorten – falls die Flüssigkeit knapp wird, bevor die Quitten weich sind, noch etwas Wasser zugeben. Für die Kinder einen Teil ohne Chili zubereiten.
3. Das fertige Chutney in sterilisierte Schraubdeckelgläser füllen und wie Konfitüre lagern.

 

Gesichtet:

http://www.nido.de/artikel/1001-leckerbissen

Mit diesem einfachen Trick löst ihr ein Back-Problem, das ihr seit eurer Kindheit kennt

05-Mrz-16

Ihr kennt das: Man sucht sich sein Rezept raus, gibt alle Zutaten zusammen, rührt den Teig an, und dann: Aaaahhhhh!

 

Kaum ist der Teig fertig und wir ziehen die Rührstäbe wieder aus der Schüssel, ist es immer das gleiche: Anhänglich klebt der Teig am Gestänge, will einfach nicht loslassen (auch nicht, wenn wir die Rührstäbe aus dem Mixer nehmen und mehrfach auf dem Rand der Schüssel abklopfen).

Als Optimistin freuen wir uns nun: Juhu, Teig ablecken, wie früher als Kind bei Mama in der Küche! Aber die Perfektionistin in uns ärgert sich auch ein wenig – denn das bedeutet auch: Unser Kuchen wird kleiner!

Bei harten Teigen gibt es sogar noch ein größeres Problem: Mürbe- und Brotteige sind beim Rühren gerne mal so klebrig und anhänglich, dass sie die Knethaken und Rührstäbe „hochklettern“, bis sie fast im Mixer sind.

Aber Hilfe naht, denn es gibt einen einfachen, wirksamen Trick gegen festgepappten Teig am Rührhaken!

Wer den Teig-Schwund minimieren möchte, schmiert die Rührstäbe seines Mixers einfach mit ein bisschen Öl ein! Am besten nehmt ihr Pflanzenöl, das verfälscht den Geschmack des Teiges nicht und ist dennoch wirksam.

Allerdings müsst ihr euch natürlich darüber im Klaren sein, dass damit eben der schönste Aspekt des Backens wegfällt: Das genussvolle Abschlabbern der Mixerstäbe! Aber dafür können wir natürlich immer noch die Schüssel auskratzen…

Zuerst erschienen auf:

www.brigitte.de/rezepte/backen/trick-gegen-teig-an-ruehrstaeben-1269465

Lifestyle-Guide: Wo Frauen High Heels und Wanderstiefel tragen

02-Feb-16

Sie gilt als provinziell und prätentiös. Als einerseits traditionell und behäbig, andererseits überteuert und arrogant. Das Image der bayerischen Hauptstadt war noch nie das beste – obwohl gleichzeitig immer mehr Menschen in ihr leben wollen.

Denn eigentlich ist München unglaublich lebenswert. Das betonen nicht nur Einheimische. Sondern das sagt jetzt endlich auch mal jemand von außerhalb. Und zwar öffentlich und auf 208 Seiten.

„Schön, leicht, authentisch und entspannt“, so hat die Wienerin Nicole Adler München stets erlebt. Deshalb hat sie der Stadt ihr zweites Buchprojekt gewidmet. „München for Women“ kommt als optisch ansprechendes Coffee-Table-Book daher: broschiert, Tagebuch-Größe, goldene, geschwungene Schrift.

Beim ersten Durchblättern könnte der Eindruck entstehen, einen weiteren, hochwertig präsentierten Shopping-Guide in Händen zu halten. Doch „München for Women“ will etwas anderes.

„Wir haben ganz bewusst nicht nur Orte für den Konsum gewählt. Das Buch ist lifestylig, aber kein Shopping-Guide“, betont denn auch gleich Kera Till, die das Buch gestaltet und mit ihren Illustrationen dekoriert hat, die sonst in Publikationen wie „Vogue“ oder „Elle“ zu sehen sind.

Wie eine Freundin als Fremdenführerin

„Die schönste Art, eine Stadt kennenzulernen, ist es doch, diese von einer guten Freundin gezeigt zu bekommen“, erläutert Herausgeberin Adler das Konzept. Beide hatten dabei eine Frau vor Augen, die wie sie viel reist, gewisse Ansprüche hat, aber auch ein Picknick an der Isar zu schätzen weiß. Eine angeblich typische Münchnerin.

Was macht diese nun aber aus? „Sie liebt ihre Stadt abgöttisch“, fällt Adler als erstes ein. „Als Wienerin fand ich das interessant, denn wir lieben unsere Stadt auch, stehen ihr aber eher kritisch gegenüber. Wir haben da eine etwas intellektuellere Herangehensweise.“

Eine bewusst gesetzte Spitze und schöne Vorlage für Till, selbst überzeugte Münchnerin: „Das liegt aber auch nur daran, dass wir unsere Stadt immer verteidigen müssen“, erklärt sie.

Die Münchnerin zeichne sich dadurch aus, dass sie durchaus gerne auf High Heels im Nachtleben unterwegs ist, für ihr Wohlbefinden zu Maniküre und Pediküre und zur Kosmetikerin geht. Ähnlich also wie Pariserin oder New Yorkerin. Mit dem Unterschied, dass die bayerische Version der stilsicheren Großstädterin es bei allem etwas weniger hektisch angehen lässt.

Sie sitzt auch gerne mal tagsüber bei einem Kaffee in der Sonne oder flitzt trotz Businessgarderobe mit dem Radl durch die Stadt; am Freitagnachmittag tauscht sie die High Heels gegen Bergstiefel; unterm Jahr nippt sie zwar gerne am Champagner, in zwei Wochen des Jahres mutiert sie allerdings zur begeisterten Biertrinkerin; und im Sommer legt sie sich im Bikini an die Isar.

Prominente Frauen geben Tipps

Belege dafür, wie lässig, schön, charmant und eigen die Münchnerin als solche ist, finden sich zuhauf in „München for Women“, dank interessanter Interview-Partnerinnen.

Polly Lapkovskaja, aka Pollyester, erzählt reflektiert über Musikszene und die Arbeitsbedingungen für Kreative in der Stadt. Uschi Obermaier verrät, wo München noch immer etwas vom Flair der wilden 60er und 70er hat. Designerin Ayzit Bostan erklärt, warum für ihr Atelier nur ein Viertel in Frage kam: das hinterm Hauptbahnhof.

Das schönste Kompliment jedoch stammt von Barbara Vinken. Die renommierte Literaturwissenschaftlerin hat im Laufe ihrer akademischen Karriere diverse Weltstädte nicht nur als Bewohnerin erlebt, sondern stets auch ihr analytisches, gnadenloses Wissenschaftlerinnen-Auge auf sie gerichtet.

„Ich bin aus Zürich weggegangen, weil mir München erotischer erschien“, gibt sie auf für sie ungewöhnlich unwissenschaftliche Art und Weise preis.

Und: Die Münchnerin, die sehe „immer noch aus wie die blonde Madonna mit Veilchenaugen in der Krippe im Kloster zu Frauenchiemsee“ und sei auch so „weich, erfüllt und heiter“. Mit einem Unterschied: Sie finde es vollkommen selbstverständlich, das Geld selbst zu verdienen.

Lass mich mal machen!

27-Jan-16

Für meinen Freund war unsere Tochter das erste Kind, und natürlich war er außer sich vor Freude. Für mich war es das zweite, meine Freude war um kein Haar kleiner, aber ich wusste auch, wie sehr sich unser kleiner Patchwork-Kosmos damit verändern würde.

Mein Sohn aus erster Ehe war damals acht Jahre alt. Ich hatte mit ihm Dreimonatskoliken und Nicht-Einschlaf-Terror durchgestanden, dickbackiges Zahnen, Fieberkrämpfe und Knochenbrüche, Fremdel-, Trotz- und erste Cool-Phasen. Ich hatte ungezählte Spielplatznachmittage absolviert, Elternabende auf Kindergartenstühlchen abgehockt, Fledermaus-Faschingskostüme genäht und Piratengeburtstage organisiert, immer nach Kräften von seinem leiblichen Vater unterstützt.

Als meine Tochter auf die Welt kam, verfügte ich über einen klaren Wissensvorsprung qua Erfahrung. Blöderweise habe ich ihn nicht nur zum Vorteil aller eingesetzt.

Ich habe meinem Freund nicht zugetraut, dass er es genauso gut machen wird wie ich – oder anders gut. Seine ersten Wickelversuche sahen so aus, wie erste Wickelversuche eben aussehen. Die nur zaghaft angelegte Windel rutschte von dem winzigen Po, der Inhalt verteilte sich im Body, Anfängerscheiß.

Ich hab ihn natürlich trotzdem weiter wickeln lassen, wickeln lernt jeder.

Auch eingefrorene Muttermilch auftauen und auf Fläschchentemperatur erwärmen kriegt Mann hin. Jäckchen anziehen, enge Bodys über den Kopf friemeln, baden, tragen, trösten, in den Schlaf wiegen – klar haben wir uns das geteilt. Ich habe bald nach der Geburt wieder tageweise gearbeitet, oft bis in die Nacht. Wir hatten eine Kinderfrau, aber abends war Papaschicht.

Trotzdem bin ich in die Falle getappt, die gerade Frauen sich gerne stellen. Die Falle der Perfektion. Wenn ich heimkam und unsere Tochter selig schlief, schlich ich noch einmal an ihr Bettchen, um zu sehen, ob alles in bester Ordnung war. Der Reserveschnuller in Reichweite, das Deckchen nicht weggestrampelt, die Windel nicht in den Kniekehlen.

Ein kurzer Kontrollgang durch die Küche, hui, da war ja wieder einiges liegen geblieben. Der Wäschekorb stand da, wo ich ihn hatte stehen lassen. Mein Freund muss auf dem Weg zum Kellerbier elegant über ihn hinweggestiegen sein. Diese Übung scheinen Männer irgendwie ganz gut zu beherrschen.

Also Küche gewienert, noch eine Wäsche gewaschen, eine Ladung aufgehängt, weil ich auch Wäscheaufhängen irgendwie smarter erledige. Mein Freund warf die klammen Teile immer lässig über die Leine, ich zog sie schön glatt auseinander, so trocknen sie schneller und krumpeln nicht so. Auch die Mühsal des Kochens habe ich ihm weitgehend erspart. Ich gelte als exzellente Köchin, mein Partner – inzwischen sind wir verheiratet – wird nicht müde, mich dafür zu loben. Geschickt irgendwie: Denn die Bessere ist des Guten Feind, und die Zuständigkeiten sind damit klar verteilt.

Als Doppelverdienerpaar zählen wir uns zu den modernen Partnerschaften, in Wahrheit sind wir mit der Geburt unserer Tochter in das eine oder andere abgelegt geglaubte Traditionsmuster zurückgefallen. Trotz aller selbstverständlichen Emanzipation habe ich meinen Mann von manchem Handgriff konsequent abgehalten. Und wir sind nicht allein.

Wenn ich mich umschaue, sind da viele berufstätige Mütter, die nach wie vor für all die Dinge zuständig sind, für die ihre Hausfrauenmamis in den Sechziger- oder Siebzigerjahren auch schon zuständig waren. Kindergeburtstage, Arztbesuche, Elternabende, Klamotteneinkäufe, Kinderkrankenpflege, Hausaufgabenbetreuung, Haushalt und die Gestaltung des Sozialprogramms.

Ich rufe meine Freundin Tina an und habe ihren Mann am Apparat. Ob man sich mal trifft, ohne Kinder gar? “Das musst du mit meiner Frau besprechen”, sagt er. “Sie plant das alles. Ich kenne mich da nicht aus.” Meine Freundin Andrea, Mutter dreier Töchter, die nach mehrjährigem Erziehungsurlaub wieder als Flugbegleiterin arbeitet, kocht ihrem Mann vor jedem Fernflug für vier Tage vor. Sie schreibt ihm auf einen großen Zettel, wann die Kinder Schulproben haben und wann sie das Turnzeug mitnehmen müssen, sie schreibt ihm sogar auf, dass er den Briefkasten leeren und die Blumen gießen soll. Einmal rief er sie nachts um halb vier Ortszeit im Hotel in Shanghai an, weil er zu Hause mit der Tochter an einer Mathehausaufgabe rumrätselte.

“Schatz, nur ganz kurz, was waren Primzahlen noch mal?” Nun könnte man sich fragen, ob der Mann ein bisschen belämmert ist. Ist er aber nicht. Er ist Chef einer eigenen, mittelständischen Firma, er liest politische Wochenmagazine und hat auch ansonsten alle beieinander.

Er ist nur von seiner Frau über all die Jahre von vielem frei- und ferngehalten worden.

Das mag wahnsinnig antiquiert klingen, aber es ist nach wie vor die Regel. Eine Forsa-Studie von 2009 befragte deutsche Männer und Frauen, die in einer Partnerschaft mit Kindern leben, wer zu Hause wie viel Familienarbeit übernimmt. Zwei Drittel der Frauen gaben an, sie wuppten das meiste, elf Prozent sogar “alles”. Die Männer räumten zu sechzig Prozent ein, sie trügen nur den kleineren Teil bei, weitere zehn Prozent schlicht “gar nichts”.

Soziologen, die bekanntermaßen dazu neigen, Phänomene zu pathologisieren, haben für dieses Symptom das Emblem des “Maternal Gatekeeping” gefunden. Die mütterlichen Türsteher, so die These, halten ihre Männer von familiären Aufgaben ab, weil sie den Mann nicht als gleichberechtigten und gleichermaßen kompetenten Elternteil akzeptieren und aus ihrer häuslichen Herrschaftsdomäne einen Teil ihres Selbstbewusstseins ziehen. Eine Langzeitstudie des deutschen Familien- und Sozialforschers Wassilios Fthenakis kommt zu dem Ergebnis, dass etwa jede fünfte Frau den väterlichen Einsatz im Familienleben ausbremst.

Ich halte mich nicht für eine Gatekeeperin, schon aus purem Freiheitsdrang und Freude an der Arbeit möchte ich mir die Erziehung möglichst partnerschaftlich teilen.

Dass das im Alltag nicht immer so glatt läuft wie auf dem soziologischen Reißbrett, steht auf einem anderen Blatt. Mein Mann ist ein Viel- und Langarbeiter. Sein Arbeitgeber hält Familienfreundlichkeit prinzipiell für eine tolle Sache, die aber ab Führungsebene irgendwie nicht mehr so richtig machbar ist.

So treffen wir uns nie wirklich in der Mitte.

Auch ich gehöre zu den zwei Dritteln der Frauen, die zu Hause das meiste tun, weil niemand anderes greifbar ist. Auch ich muss viele Themen und erzieherische Konflikte spontan alleine lösen, weil der Vater gerade nicht erreichbar ist. Aber ich arbeite daran, aus purem Perfektionsdrang nicht noch das zu übernehmen, was durchaus von seiner Seite beizutragen wäre. Ganz bewusst halte ich mich jetzt öfter mal ganz raus und verkneife mir Gemäkel, wenn’s nicht nach meiner Linie läuft. Dann bin ich mal für ein paar Tage weg, eine Woche sogar. Anfangs habe auch ich noch Instruktionen geschrieben, inzwischen weiß ich: Es geht auch ohne.

Anders vielleicht, als ich es machen würde, aber darum nicht schlechter.

Meine Fliegerfreundin sagt, ihr macht es nichts mehr aus, wenn sie von einer Reise heimkommt und ihr Kinder die Türe öffnen, die sie nur an der Stimme als die eigenen erkennt, weil sie wie Flickenteppiche angezogen sind. Röcke über den Hosen, wildeste Farb- und Mustermixturen, Sommerkleider im Winter. Ihr Mann legt auf so etwas keinen Wert, kein Kind ist deswegen bisher einer Erkältung oder Mobbing zum Opfer gefallen, also warum aufregen? “Er hat sein eigenes System, und das gilt, wenn ich nicht da bin.” Sie hat recht. Während ich diese Zeilen schreibe, packt mein Mann gerade mit unserer Tochter den Koffer für ihr Ferienreitcamp.

Früher hätte ich noch mal kontrolliert, ob auch wirklich alles drin ist und sicher irgendwo nachgebessert. Jetzt sage ich nur: “Prima, wollen wir dann los?” Irgendwo hört die Blödheit aus eingebildetem Schlauheitsvorsprung ja auf.

Siehe hier:

http://www.nido.de/artikel

FAQ Pfeffer: Was Sie schon immer über den Scharfmacher wissen wollten

24-Jan-16

Bunt, scharf, vielfältig

Noch Pfeffer? Ob im Gourmettempel oder zum schnellen Imbiss: Kein Restaurant, keine Küche kommt ohne den beliebten Scharfmacher aus. Frisch gemahlen verleiht die Nummer eins unter den Gewürzen selbst einfachen Gerichten eine pikante Note. Ihre Schärfe verdankt sie dem Stoff Piperin. Er steckt unter der Schale der Pfeffer­beeren, die in Rispen an bis zu zehn Meter hohen Kletter­pflanzen wachsen. Ihr bota­nischer Name: Piper nigrum. Doch nicht jedes Gewürz, das Pfeffer heißt, trägt die Bezeichnung zu Recht: Cayenne­pfeffer etwa. Er muss sich in Sachen Schärfe zwar nicht verstecken, sein feuriges Aroma verdankt er aber gemahlenen Chilischoten und dem Scharf­stoff Capsaicin – nicht etwa einer Pfeffer­beere. Was also zeichnet echten Pfeffer aus? Welche Sorten sind besonders aromatisch? Und wie setzt man sie am besten ein?

Tipp: Die Stiftung Warentest hat Pfeffer aktuell getestet. Ergebnis: Ganze Körner schneiden besser ab als bereits gemahlener Pfeffer. 7 von 20 Produkten im Test sind gut, 5 wegen der Schad­stoff­belastung mangelhaft.

Wo ist das, „wo der Pfeffer wächst“?

Deutsch­land hat 2014 rund 26 000 Tonnen Pfeffer importiert, vor allem aus Brasilien, Vietnam und Indonesien. In dem Insel­staat wachsen etwa der intensive schwarze Lampong- und der weiße Muntok-Pfeffer. Aus Indien, Heimat der als besonders wert­voll geltenden Malabar- und Tellicherry-Pfeffer, kommen geringere Mengen zu uns. Exporteure wie Kambo­dscha und Malaysia spielen in Deutsch­land nur eine Neben­rolle: Von dort stammen besondere Sorten, etwa der teure, rote Kampot-Pfeffer oder der weiße Dajak.

Was sagt die Farbe über den Pfeffer?

Sie gibt Aufschluss über Reifegrad und Verarbeitung der Beeren: Werden sie unreif geerntet und in der Sonne getrocknet, entsteht der am häufigsten verkaufte schwarze Pfeffer. Auch für den milden, frisch schme­ckenden grünen Pfeffer pflü­cken Bauern die Beeren unreif. Dann werden die Früchte gefrier­getrocknet oder in Lake einge­legt, um ihre Farbe zu erhalten. Ausgereift sind Pfeffer­beeren rot oder rotbraun; sie schme­cken dann schärfer und fruchtiger. Echter roter Pfeffer ist aber selten und teuer. Weißer Pfeffer entsteht, indem reife Beeren in Wasser einweichen, bis sich das Frucht­fleisch von den Kernen schälen lässt. Weißer Pfeffer hat weniger ätherische Öle, die Schärfe ist reiner.

Tipp: Mahlen Sie Pfeffer stets frisch. Verwenden Sie die weiße Variante in hellen Soßen. Sie harmoniert gut mit Speisen, die mit Muskatnuss gewürzt sind. Ganze grüne Pfefferkörner passen klassisch zum Steak.

Und was ist mit rosa Pfeffer?

Das Modegewürz ist kein echter Pfeffer – ebenso wenig wie Szechuan- oder Nelkenpfeffer, der auch Piment genannt wird. Die rosa Beeren sind die Früchte des Brasilia­nischen oder Perua­nischen Pfefferbaumes. Sie enthalten giftige Substanzen. „In üblichen Mengen genossen besteht aber keine Gesund­heits­gefahr“, beruhigt Matthias Melzig, Professor für Pharmazeutische Biologie an der Freien Universität Berlin. Nur Kinder sollten vorsichts­halber verzichten.

Tipp: Zerstoßen Sie rosa Pfeffer­beeren im Mörser oder mischen Sie sie in der Pfeffermühle mit schwarzem Pfeffer. Allein können sie das Mahl­werk verkleben. Ihr süßlicher Geschmack mit zarter Schärfe passt gut zu Fisch­gerichten und Schokolade.

Wann mahle ich grob, wann fein?

Das hängt davon ab, ob beim Kauen kleine Pfeffer­korn­stück­chen spür­bar sein sollen. Peter Wagner, Autor des Stiftung-Warentest-Koch­buchs Richtig scharf kochen, sagt: „Je feiner gemahlen der Pfeffer ist, desto intensiver verbindet sich sein Aroma mit dem Essen.“ Einen groben Mahl­grad empfiehlt er hingegen, wenn der Pfeffer als eigen­ständige Komponente wahr­nehm­bar sein soll – etwa bei Steak.

Tipp: Wenn Ihre Mühle nicht grob genug mahlt, können Sie einen Mörser benutzen. Zum Test Pfeffermühlen.

Was würze ich wann?

Es kommt auf die Sorte an: Manche Pfeffer verlieren an Schärfe, wenn sie mitkochen, geben dabei aber ein Grundaroma ab. Nur wenige halten hohe Temperaturen aus. Langer Pfeffer etwa behält seine spitze Schärfe in Back­ofen und Pfanne. Und die Mele­gueta-Pfeffer genannten scharfen Samen der Aframomum-Pflanze werden selbst bei sehr heißem Anbraten nicht bitter. Generell aber gilt: Die flüchtigen Aroma­stoffe echter Pfeffer­beeren, die etwa für Zitronen- oder Piniennoten verantwort­lich sind, leiden bei Hitze. Das gilt vor allem, wenn sie in gemahlener Form mitkochen.

Tipp: Geben Sie am Anfang des Koch­prozesses einige ganze Körner in die Speise und erst am Ende frisch gemahlenen Pfeffer. Würzen Sie Ihr Steak für einen richtig pfeff­rigen Geschmack nach dem Anbraten, für ein milderes Ergebnis davor.

Wie lagere ich Pfeffer am besten?

Getrock­neter Pfeffer sollte im Ganzen in einem licht­geschützten Gefäß mit Deckel trocken lagern – am besten kühl. Laut den Angaben der Anbieter in unserem aktuellen Test hält er sich zwei bis fünf Jahre. In Salzlake einge­legter grüner Pfeffer gehört in den Kühl­schrank.

 

Die Homepage besuchen:

https://www.test.de/

Haarmoden mit Fußnoten

20-Jan-16

Über Haare, Frisuren und Haarpflege lässt sich mehr schreiben, als man so denkt. Und das auch noch richtig wissenschaftlich.

Palmblattfasern und Wolle mischten die alten Ägypter mit menschlichem Haar, um Perücken und Haarteile herzustellen. So ließen sie schon in der Antike das eigene Haar fülliger aussehen oder verlängerten es. Perücken dienen heute oft medizinischen Zwecken, Haarverlängerungen sind aber bei Stars wie Lady Gaga und in der Brautmode häufig zu finden. Das und vieles mehr über Haare ist im Frisuren-Blog „Street Hair“ nachzulesen, der Haarmoden wissenschaftlich untersucht.

Den Blog, der unter www.streethair.wordpress.com zu finden ist, schreiben Studenten des Arbeitsbereiches Mode und Ästhetik der Technischen Universität Darmstadt. Die Idee stammt von der Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Alexandra Karentzos, die seit 2011 Professorin für Mode und Ästhetik an der TU ist. „Es gab noch keine wissenschaftlichen Frisuren-Blogs“, sagt Karentzos. Sie will nicht wie die Autoren unzähliger anderer Blogs für Trends Werbung machen, sondern sie wissenschaftlich und soziokulturell erklären. „Der Blog soll ein Archiv der Trends sein.“ Es geht darin nicht nur um die Haare auf dem Kopf, sondern auch um Körper- und Schambehaarung. Dass Haare bisher so selten Forschungsgegenstand waren, erklärt Karentzos sich auch damit, dass die Kulturwissenschaft in Deutschland noch vergleichsweise jung ist. „Erst seit Kurzem wird der Fokus auch auf scheinbar abseitige Themen wie Haare und Frisuren gelegt.“

Seit dem Sommersemester 2014 gibt es den Blog. Zum einen beschäftigt er sich mit aktuellen Trends. Sie sind in der Rubrik „Street Style“ zu finden, für die die Studenten Leute auf der Straße ansprechen und deren Frisuren fotografieren. „Haar historisch“ wiederum erklärt außer der Geschichte von Perücken und Haarverlängerungen etwa die religiöse Bedeutung von Haaren. In der biblischen Geschichte von Simson und Delilah gelten sie als „Sitz der Seele, des Lebens und der Kraft“ – Delilah schneidet Simson die sieben Locken ab, mit jeder verliert er an Stärke.

Fußnoten belegen die Blog-Einträge, eine Literaturliste verweist auf Bücher wie „Tragbare Stürme: von spurtenden Haaren und Windstoßfrisuren“ und „Hair! Das Haar in der Kunst“. In den „Hair Tutorials“ werden aber auch einfach Schritt für Schritt Frisuren zum Nachmachen erklärt. Unter „Didaktik“ gibt es Aufgaben für angehende Friseure – Übungen zu Flecht-Techniken zum Beispiel. Bald werden in der Kategorie „Haarmode museal“ Trends aus verschiedenen Epochen erklärt, die die Studenten in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesmuseum erforscht haben. „Haare als Widerstandspotential“ ist das Blog-Thema im Sommersemester 2016.

Mehr zum Thema

„Haare haben immer eine Konnotation“, sagt die Studentin Daniela Herzog. Sie seien stets der Mode unterworfen – selbst die Verweigerung von Trends sei eine Aussage. Die 36 Jahre alte Friseurmeisterin und Visagistin, die nach dem Abitur Literatur- und Kulturwissenschaften studiert hat, ist seit dem Wintersemester 2013 für das Fach Körperpflege eingeschrieben. Um hierfür zugelassen zu werden, müssen die Bewerber mindestens ein 52 Wochen langes Praktikum in einem fachnahen Beruf absolviert haben. Herzogs Kommilitonin Damaris Rief hat eigens für ihr Studium eine Friseurlehre gemacht. Die meisten Studenten – im vergangenen Wintersemester ausschließlich Frauen – sind Kosmetikerinnen oder Friseurinnen. Viele wollen nach dem Körperpflege-Abschluss Berufsschullehrerinnen werden. Rief sagt: „Mir hilft die Ausbildung sehr, gerade in der Didaktik.“

Die Studenten besuchen Vorlesungen der Biologie, der Chemie sowie der Mode und Ästhetik, wo sie etwa Kunst-, Kulturgeschichte und Modetheorie lernen – und den Haar-Blog schreiben. „Bei Körperpflege denken viele an Altenpflege“, sagt Herzog. Viele Leute täten so, als sei das kein Studium wert. Sie hätten keine Ahnung, wie viel Wissenschaft dahinterstecke. Mit dem Blog „Street Hair“ soll das wenigstens einigen klargemacht werden.

Zuerst veröffentlicht auf:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus

Zielgruppe Studienabbrecher

13-Jan-16

Mark Zuckerberg, Stefan Raab, Anke Engelke, alle haben es getan: Das Studium geschmissen. Studienabbrecher sind in bester Gesellschaft.

Ausbildung statt Studium: Unternehmen in der Region der IHK Rhein-Neckar suchen Leute, die Theorie mit viel Praxis verbinden wollen. Die IHK Rhein-Neckar bietet eine Plattform, auf der Studienabbrecher auf Unternehmen mit passenden freien Ausbildungsplätzen treffen können. In persönlichen Beratungsgesprächen mit der Zielgruppe werden zunächst durch die IHK Alternativen innerhalb der dualen Ausbildung aufgezeigt und der Kontakt zu potenziellen Ausbildungsbetrieben hergestellt. Interessierte Unternehmen können über die Ansprechpartnerin bei der IHK (s.a. „Ansprechpartner“) Kontakt zu den Ausbildungsplatzsuchenden aufnehmen. Studienabbrecher bringen häufig bereits umfangreiche Vorkenntnisse sowie Praxiserfahrungen mit und können aufgrund der Anrechnung von Vorbildung sowohl zu einem späteren Ausbildungsbeginn starten als auch die Ausbildungszeit wesentlich verkürzen. 

 

zum Artikel:

www.rhein-neckar.ihk24.de/standortpolitik/fachkraefte/Studienabbrecher/932656

Roastbeef auf Parmesanbett mit Feigenbalsamico

22-Dez-15

Zutaten

400 g Roastbeef
1 große Tomate(n)
4 Stängel Petersilie, frisch
50 g Parmesan, am Stück
1 Schuss Balsamico Feige
15 g Butter

Zubereitung

Arbeitszeit: ca. 20 Min. / Koch-/Backzeit: ca. 10 Min. / Schwierigkeitsgrad: normal / Kalorien p. P.: keine Angabe

Das Fleisch bringe ich vor der Bearbeitung auf Zimmertemperatur. Bevor ich die Pfanne aufheize, bereite ich bereits die Teller/Garnierung vor.

Auf jedem Teller eine, wenn möglich, eigen angebaute Tomate in Scheiben auslegen. Mit etwas Petersilie garnieren. Darüber dünn gehobelten Parmesan geben.

Das Roastbeef in Butter kräftig von jeder Seite etwa drei Minuten braten. Sofort aus der Pfanne nehmen und in Alufolie einschlagen. Ca. fünf Minuten ruhen lassen.

Das Fleisch erneut in die Pfanne geben. Den in der Alufolie befindlichen Bratensaft dazugeben. Nochmals von jeder Seite ca. 2 Minuten braten.

Nach dieser Zeit ist das Stück medium rare. Natürlich ist es jedem selbst überlassen, welcher Garpunkt gewünscht wird. Meiner Meinung nach schmeckt das hochwertige Fleisch wirklich super, wenn es medium rare, bzw. englisch gegart ist.

Auf dem Teller nun ein Nest aus frisch gehobelten Parmesan anrichten. Das Fleisch darauflegen und mit Feigenbalsamico verfeinern.

Anmerkung: Ich vermeide es, das Fleisch vor dem Braten zu würzen. Sie werden sehen, das feine Aroma eines guten Roastbeefs, in Verbindung mit dem Parmesan und dem Balsamico wird sie überzeugen. Etwas Salz und Pfeffer auf jedes einzelne Fleischstück kann nicht schaden.

Um den Fleischsaft aufzusaugen eignet sich ein Olivenbaguette. Dazu passt ein trockener italienischer Rotwein.

Hinweis: Für das Rezept eignen sich Roastbeef, Entrecote und Rinderlende. Die in der Rezeptbeschreibung angegebene Grammzahl ist tatsächlich für einen guten Esser. Für meine Frau, die die Lende bevorzugt, reichen gut 200 Gramm.

Ganz wichtig ist eine sehr gute Qualität des Fleisches. Und, um es zu erwähnen: ein low Budget Gericht ist es nicht.

Gelesen auf:

www.chefkoch.de

Vegane und glutenfreie Backzutaten

14-Dez-15

Kokosblütenzucker

Kokosblütenzucker wird aus dem Blütensaft der Kokospalme gewonnen. Er schmeckt aber nicht etwa nach Kokos, sondern hat ein feines Karamell-Aroma. Kokosblütenzucker macht sich fein in Gebäck, Heißgetränken wie Tee oder Kakao oder auch in Cocktails und lässt sich 1:1 wie brauner Zucker dosieren. Aufgrund seines aufwändigen Herstellungsprozesses ist er allerdings vergleichsweise teuer (z. B. in Bio-Qualität von Dr. Goerg 280 g ca. 8 Euro, in Reformhäusern und Bio-Läden).

Xylit

Der Zuckeraustauschstoff wird aus Holzfasern bzw. durch Fermentieren von Traubenzucker gewonnen. Er enthält bis zu 40 % weniger Kalorien als herkömmlicher Zucker und soll sogar besser für die Zähne sein (erhältlich z. B. im Reformhaus).

Agavendicksaft

In der veganen Küche dient er oft als Honigersatz. Er wird aus der Blauen Agave gewonnen und ist als helle und auch als dunkle Variante erhältlich – Letztere wird weniger stark filtriert und schmeckt karamelliger (z. B. „Dunkler Agaven-Dicksaft“ von Lihn, Reformhaus). Der Saft besteht hauptsächlich aus Fructose, die u. a. für Übergewicht verantwortlich sein soll – deshalb besser nur sparsam verwenden.

Vegane Schokolade

Vegane Schokolade wird aus Soja- und Reismilch, statt Kuhmilch hergestellt (z. B. „Rice Milk vegane helle Schokolade“ von Rapunzel, in Reformhäusern und Bio-Läden).

Haferflocken

Haferflocken enthalten eigentlich kaum Gluten (Klebereiweiß), doch es gibt oft Verunreinigungen bei der Verarbeitung. Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) sollten also besser kontrolliert glutenfreie Produkte nehmen (z. B. „Glutenfreie Haferflocken Kleinblatt“ von Bauckhof).

Natives Kokosöl

Natives Kokosöl wird in einem schonenden (Kalt-)Pressverfahren gewonnen und enthält keine sogenannten Trans-Fettsäuren – gut für den Cholesterinspiegel. Dezent im Geschmack, passt es zu Gebäck, aber auch zu asiatischen Gerichten. Nicht wundern: Es verflüssigt sich erst ab einer Temperatur von ca. 24 Grad (z. B. „Kokosöl nativ“ von Bio Planète, in Bio-Läden und Reformhäusern).

Keksmehl

Keksmehl wie „Kuchen und Kekse – Mix C“ von Dr. Schär kann bei Gluten-Unverträglichkeit normales Mehl im 1:1-Mengenverhältnis ersetzen.

Mandel- oder Cashew-Mus

Beide Mus-Sorten bestehen zu 100 % aus den jeweiligen (gemahlenen) Nusskernen. Sie eignen sich nicht nur für die vegane Weihnachtsbäckerei, sondern auch wunderbar als Grundlage für Smoothies, Eiscreme oder Soßen.

Rohes Kakaopulver

Rohes Kakaopulver wird bei der Herstellung nicht über 40 Grad erhitzt und enthält auffallend viele Mineralstoffe wie Magnesium. Durch seinen intensiven Geschmack ist es eine großartige Backzutat. Rohe Schokoprodukte mit einem hohen Kakaoanteil von mindestens 70 % sind übrigens immer die gesündere Alternative. Verglichen mit herkömmlichem Kakaopulver ist es jedoch recht teuer (z. B. „Rohes Bio Kakaopulver“ von lifefood, 150 g ca. 9 Euro, erhältlich z. B. in Bio-Läden).

 

Homepage:

http://www.brigitte.de/rezepte/

Tiramisu-Rezepte für ein „dolce vita“

27-Nov-15

Hausgemachtes Tiramisu ist das beste Rezept für alle, die in Erinnerungen an den letzten Italienurlaub schwelgen wollen – und für alle Tiramisu-Fans.

Was schmeckt mehr nach „dolce vita“ als Tiramisu? Das bekannte italienische Dessert stammt aus Venetien, hat heute aber Fans auf der ganzen Welt. Bekannt ist es aber schon seit dem Mittelalter. Das erste Mal wurde der Begriff „Tiramisù“ (italienisch für „Zieh mich hoch“) übrigens 1970 in Treviso gebraucht.

Für das klassische Tiramisu-Rezept werden Löffelbiskuit und Mascarpone-Creme abwechselnd geschichtet. Die Löffelbiskuits werden in kaltem Espresso getränkt. Oft wird der Espresso auch noch mit alkoholischen Getränken wie Marsala-Wein, Amaretto oder Weinbrand gemischt. Natürlich gibt es auch alkoholfreie Varianten von Tiramisu.

Ganz wichtig: Wenn das Tiramisu fertig geschichtet ist, muss es für mehrere Stunden in den Kühlschrank. Denn dadurch wird das Tiramisu erst fest. Bevor das Dessert serviert wird, noch die letzte Cremeschicht mit Kakaopulver auf das gekühlte Tiramisu auftragen. Ob klassisch, schnell, frühlingshaft mit Erdbeeren, kalorienarm mit Äpfeln, mit oder ohne Alkohol oder sogar herzhaft: Das Team der BRIGITTE-Küche kennt für die besten Rezepte für Tiramisu.

Tiramisu-Rezepte – von Tiramisu ohne Alkohol bis Erdbeertiramisu

Tiramisu mit Kaffeelikör

Wenn wir schon nicht nach Italien in den Urlaub fahren können, dann holen wir uns das italienische Lebensgefühl einfach nach Hause. Dieses Tiramisu bringt Ihnen „La dolce vita“ in die eigenen vier Wände. Zum Rezept: Tiramisu mit Kaffeelikör

Tiramisu „light“

Als Dessert ist Tiramisu oft zu wuchtig. In unserer Schlank-Version heißt es: Mascarpone adé und erfrischendes Apfelkompott unter die Quark-Frischkäse-Haube. Und weil es ohne Alkohol ist, ist das Rezept auch für Kinder geeignet. Zum Rezept: Tiramisu „light“

Rhabarber-Tiramisu

Wir haben das Tiramisu frühlingsfein gemacht: mit den knusprigen Mandelkeksen Cantuccini und dem beglückend süß-sauren Duo Mascarponecreme und Rhabarber. Zum Rezept: Rhabarber-Tiramisu

Trüffel-Tiramisu

Für Fans von Trüffel gibt es diese köstliche Tiramisu-Variante mit Marsala-Wein. Und die für Tiramisu klassischen Löffelbiskuits dürfen natürlich auch nicht fehlen. Zum Rezept: Trüffel-Tiramisu

Glutenfreies Tiramisu

Ohne Löffelbiskuit kein Tiramisu? Von wegen! In diesem glutenfreien Rezept kommen Maisstärke und gemahlene Mandeln zum Einsatz. Zum Rezept: Glutenfreies Tiramisu

Erdbeer-Tiramisu

Wir lieben Tiramisu – und wir lieben Erdbeeren! Da lag die Idee nahe, unsere beiden Favoriten zu einem Dessert zu vereinen. Das Ergebnis: unwiderstehlich. Zum Rezept: Erdbeer-Tiramisu

Spekulatius-Tiramisu

Zur Weihnachtszeit ein Spekulatius-Tiramisu: Damit überraschen Sie Ihre Adventsgäste und machen Spekulatius damit zu einem köstlichen Dessert. Zum Rezept: Spekulatius-Tiramisu

Herzhaftes Tiramisu

Wer sagt denn, Tiramisu ist immer süß? Dieses Rezept beweist jedenfalls, dass es auch mal herzhaft sein darf. Zum Rezept: Herzhaftes Tiramisu

Original italienisches Tiramisu – das beste Rezept

Das perfekte Tiramisu ist cremig, aber nicht matschig. Rike Dittloff zeigt Schritt für Schritt im Video, wie das Rezept gelingt – ein Hoch auf den Klassiker!

Zutaten für 4 Portionen Tiramisu

150 Gramm Zucker
6 frische Eigelb
450 Gramm Mascarpone
2 Esslöffel Amaretto
150 Milliliter Espresso
220 Gramm Löffelbiskuits
Kakaopulver zum Bestäuben

Tiramisu zubereiten – Schritt für Schritt erklärt

1. Schlagen Sie Eigelbe und Zucker drei bis vier Minuten cremig. Achtung: Die Eier müssen frisch sein!
2. Heben Sie nun die Mascarpone unter die Zucker-Eimasse.
3. Gießen Sie den Amaretto in den Espresso, tunken Sie einige Löffelbiskuits kurz hinein und schichten Sie sie dann in die Form. Verfahren Sie so, bis der Boden der Form bedeckt ist.
4. Streichen Sie einen Teil der Mascarponecreme über die Löffelbiskuits. Tunken Sie weitere Löffelbiskuits kurz in die Espresso- Amarettomischung, legen Sie sie auf die Mascarponecreme und bestreichen sie wiederum mit Mascarponecreme.
5. Lassen Sie das Tiramisu drei bis vier Stunden im Kühlschrank durchziehen.
6. Holen Sie das Tiramisu kurz vor dem Servieren aus dem Kühlschrank und bestäuben es mit Kakao.

Statt Amaretto mit Espresso können Sie zum Beispiel auch Kakao verwenden.

fertig in 10 Minuten – plus 4 Stunden Ruhezeit

Entdeckt:

www.brigitte.de/rezepte/rezepte/

Lehrberufe – Instrumentenbau: Wo Tischlern, Akustik und Architektur zusammenkommen

20-Nov-15

Lehrlinge im Instrumentenbau benötigen Geduld, Liebe zum Detail und körperliche Belastbarkeit. Aber auch technisches und musikalisches Verständnis sind gefragt

Zither und Akkordeon erklingen im Treppenhaus, es duftet nach Holz, und im Klassenzimmer hängt eine Klaviatur an der Wand. Die Wiener Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack (BS HKFL) versammelt Lehrlinge elf verschiedener Lehrberufe unter einem Dach. Neben Herkömmlichem wie Tischlerei und Lackiertechnik werden hier auch Lehrgänge für Bildhauerei und Musikinstrumentenerzeugung angeboten.

Die Schüler und Schülerinnen der Klassen für Musikinstrumentenerzeugung (MUS) kommen aus ganz Österreich nach Wien, um ergänzend zur betrieblichen Ausbildung die Berufsschule zu besuchen. „Seit rund 50 Jahren hat sich der bundesweite Lehrgang für Instrumentenbau in Wien etabliert“, sagt der Fachlehrer und Orgelbaumeister Ulrich Riediger.

Heterogene Klassen

Seit 27 Jahren unterrichtet Riediger die MUS-Klassen in Fächern wie Akustik, Angewandte Mathematik, Angewandte Physik und Technologie. Spannend ist für ihn „die heterogene Zusammensetzung der Klassen“, betont er. „Die Schüler haben unterschiedliche Zugänge: von Pflichtschulabgängern über Maturanten, Personen, die schon einen anderen Beruf erlernt hatten, bis zu mitunter fertigen Akademikern ist alles dabei.“ Ein Drittel der Instrumentenbaulehrlinge ist weiblich.

Von der Monarchie bis zum Zweiten Weltkrieg wurden in Wien Lehrlinge im Instrumentenbau ausgebildet. „Mit den Modellen aus dieser Zeit arbeiten wir heute noch“, sagt Riediger. Auf der gemeinsamen Stundentafel stehen auch Fächer wie Rechnungswesen, Politische Bildung und berufsbezogenes Englisch. Für die spezielle Instrumentenkunde, computergestütztes Fachzeichnen und das Praktikum in den Werkstätten werden die Schüler nach Lehrberufen aufgeteilt.

Orgelbau: Von Akustik bis Zimmereitechnik

„Das Besondere am Orgelbau ist, dass viele Berufe in einem zusammengefasst sind“, sagt Riediger. Techniken und Fertigkeiten aus (Kunst-)Tischlerei, Metallverarbeitung, Architektur, Elektronik und Akustik vereinen sich in einem Berufsbild. Ebenso kommen Design, Zimmerei- und Restauriertechniken zum Einsatz. „Der Orgelbau bietet eine universelle handwerkliche Ausbildung.“ Geduld, Liebe zum Detail und körperliche Belastbarkeit, aber auch feinmotorische Fähigkeiten, technisches und musikalisches Verständnis sollten Orgelbaulehrlinge mitbringen. Am wichtigsten aber sei „das Interesse am Produkt“.

Martin Behringer bringt all das mit. Von Deutschland kam er nach Dornbirn, um in der Firma Rieger Orgelbau eine Lehre zu beginnen. Der Orgelbaulehrling schätzt das innovative Produkt und das attraktive Ausbildungsangebot. „Es ist sehr abwechslungsreich, und innerhalb des Berufs ist eine Spezialisierung möglich“, sagt Behringer. Er selbst spielt Klavier und Orgel, bei einem Kurs für Kirchenmusiker hat ihn „der Orgelbau gepackt“.

Besondere Bindung zum Blechblasinstrument

Ideale Voraussetzung für eine langjährige Berufskarriere. „Wenn jemand selbst spielt, besteht eine besondere Bindung zum Instrument. Das Verschmelzen von Hobby und Beruf bringt meist die besten Leute hervor“, sagt Johann Schnaubelt. Der Meister in Blechblasinstrumentenerzeugung unterrichtet seit 15 Jahren die jeweiligen Schüler in den MUS-Klassen.

Wichtig ist ihm, dass im Lehrgang „was Sinnvolles entsteht, etwas, das die Schüler und Schülerinnen zu Hause herzeigen können“. Seit seiner Jugend spielt Schnaubelt in einer Musikgruppe, der Einstieg in den Instrumentenbau verdankt sich einem Zufall: „Meine Trompete war kaputt, ich brachte sie zur Reparatur, und von da an wollte ich Blechblasinstrumentenerzeuger werden.“ Für die Lehre im Musikhaus Votruba, wo er bis heute arbeitet, übersiedelte er 1989 nach Wien.

Mechanik ausbauen, reinigen und Teile erneuern – das Restaurieren von Holzblasinstrumenten macht Maria Wallmann, die selbst Saxofon und Flöte spielt, besondere Freude. Als Lehrling der Holzblasinstrumentenerzeugung arbeitet sie in der Holzbläserwerkstatt Andreas Stolz in Innsbruck. Wallmann ist glücklich in ihrem Beruf. „Du arbeitest mit den Händen und siehst am Ergebnis, was du geschafft hast“, sagt die Kapellmeisterin aus Tirol.

Instrumentenbaudynastie

Das macht für Lisa-Maria Schwarz das Besondere am Instrumentenbau aus: „Die Menschen haben Freude mit dem, was ich gemacht habe.“ Schwarz lernt Harmonikamacherin bei Harmonika Müller und ist „mit dem Instrumentenbau groß geworden“. Seit 1679 stellt die Familie Schwarz in Molln in Oberösterreich Maultrommeln her, ihr Großvater begann vor mehr als 35 Jahren auch, Steirische Harmonikas zu bauen. Im Volksschulalter fing die Berufsschülerin an, Zither und Harmonika zu spielen. „Wenn du selbst spielst und baust, lernst du das Instrument von zwei unterschiedlichen Seiten kennen.“

Handwerk wie vor 300 Jahren

Das möchte auch Günther Meinhart. Er spielt Gitarre und arbeitet bei Fant Guitars in Faistenau in Salzburg. Lange schon hatte der gelernte Elektriker den Wunsch, „etwas Kreatives zu machen“. An der Streich- und Saiteninstrumentenbaulehre fasziniert ihn, dass „heute vieles so gemacht wird wie bereits vor 300 Jahren“.

Der Zugang zur Ausbildung war früher jedoch durch das Zunftwesen nördlich der Alpen, beispielsweise im Geigenbau, streng reglementiert, erklärt Matthias Bölli. Der Meister im Streich- und Saiteninstrumentenbau unterrichtet die jeweiligen Schüler in den MUS-Klassen und arbeitet für den Geigenhersteller Bölli & Münzberg in Wien. „Das Handwerk kann man üben. Wichtig ist, dass bei den Lehrlingen die Motivation und der Wunsch zu lernen bestehen.“

Millimeterarbeit im Klavierbau

Für Monika Schwarz war klar war, dass sie nach der Matura „was mit Musik“ machen wollte. Sie lernt Klavierbau in der Bösendorfer-Klavierfabrik. Besonders gern verrichtet sie „die feinen Arbeiten. Zum Beispiel Mechanikeinstellen, Stimmen und Intonieren.“

Diese Millimeterarbeit gestaltet sich nicht immer einfach, „der Umgang mit Werkzeug war ungewohnt für mich, alles war so neu, aber sehr spannend“, erinnert sich Tamara Bruckner. Nach einem Arbeitsalltag in der Gastronomie begann sie eine Klavierbaulehre im Klavierhaus Langer in Klagenfurt. „Musik ist mein Hobby. Ich habe mich richtig entschieden.“ Sie möchte auch andere zu einer Instrumentenbaulehre motivieren. Menschen, die neue Musikinstrumente bauen oder alte restaurieren, sagt sie, tragen dazu bei, „die Musik in die Welt zu bringen“.

Die Ethik des Unerreichbaren

Beim Bauen, Stimmen und Festlegen zahlreicher Details sind für Adam McCartney „sowohl Fragen der Ästhetik als auch der Ethik“ von Bedeutung. Der aus Irland stammende Klavierbaulehrling hat bereits Komposition in Graz studiert. „Für den Beruf lernt man die objektive und statische Beschreibung eines dynamischen Phänomens – der Musik.“ Die Idee des reinen Stimmens ist für McCartney „eine abstrakte Idee, die nicht verwirklichbar ist. Die Kunst liegt im Ergebnis des Versuchs, etwas Unerreichbares zu erreichen.“ (Victoria Windtner, 9.11.2015)

Die Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack bildet in den Lehrberufen Klavier- und Cembalobau, Orgelbau, Harmonikamacher/-in, Blech- und Holzblasinstrumentenerzeugung und Streich- und Saiteninstrumentenbau aus. Organisiert wird der Unterricht in Lehrgängen zu je neun Wochen pro Lehrjahr. Bei den dreieinhalbjährigen Lehrberufen Klavier- und Orgelbau wird zusätzlich ein Lehrgang von vier Wochen abgehalten.

 

Originalbeitrag:

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Votum über Anerkennung ausländischer Abschlüsse 

13-Nov-15

Der Deutsche Bundestag stimmt am Donnerstag, 12. November 2015, über einen Gesetzentwurf zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen (18/5326) ab. Mit dem Regierungsentwurf soll die Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 umgesetzt werden, nach der die Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen in reglementierten Berufen in der EU modernisiert und vereinfacht werden sollen. Die Debatte beginnt gegen 20.15 Uhr und dauert eine dreiviertel Stunde.

Die Debatte wird live im Parlamentsfernsehen, im Internet und auf mobilen Endgeräten übertragen.

Sachverständige lobten und kritisierten Entwurf

Deutliche Detailkritik hatte es an dem Entwurf sowie an dem Bericht zum Anerkennungsgesetz 2015 (18/5200) in einer Expertenanhörung am 30. September 2015 im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung gegeben, wenn auch die Experten grundsätzlich das Anerkennungsgesetz gelobt hatten. Auch deshalb hatten sich die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD zu einem Entschließungsantrag entschlossen, den sie ebenso wie die genannten Drucksachen in der Ausschusssitzung am 4. November 2015 zur Abstimmung gestellt hatten. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen votierte dagegen, Die Linke enthielt sich.

Darin begrüßten die Koalitionsfraktionen, dass sich die Bundesländer verpflichtet haben, die für die Anerkennung der ausländischen Bildungsabschlüsse zuständigen Stellen und die von den Ländern finanzierte Zentralstelle für das ausländische Bildungswesen angemessen auszustatten. Gleichwohl sollten die Bundesländer dazu angeregt werden, noch stärker für ein transparent nachvollziehbares und vergleichbares Anerkennungsverfahren Sorge zu tragen. Ferner soll die Bundesregierung zügig prüfen, inwieweit begleitende finanzielle Unterstützungsangebote für Nachqualifizierungsmaßnahmen in Ergänzung zu bestehenden Angeboten notwendig sind. Ferner sollen die Verfahrenskosten sozialverträglich ausgestattet werden.

Erhöhung der Anerkennung beruflicher Abschlüsse

Grundsätzlich sollen mit dem Anerkennungsgesetz die Verfahren zur Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen im Zuständigkeitsbereich des Bundes vereinfacht und für bisher nicht anspruchsberechtigte Zielgruppen geöffnet werden.

Doch viele Antragsteller hätten kaum Chancen auf Begleichung der Kosten, hatten die Fachleute gemahnt und würden deshalb keine Anerkennung ihrer Qualifikation erreichen. Auch müsse die Anerkennung beruflicher Abschlüsse erhöht werden, auch wenn kein formaler Abschluss vorliege aber Berufserfahrungen nachgewiesen werden könnten.

 

Die Homepage besuchen:

 

http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/